Montag, 07.09.2026, 11:30 Uhr
Warum? Warum gerade ich?
Es gibt in Deutschland 2026 aktuell 8.207 Patienten, die auf ein Spenderorgan warten, 6.237 davon auf eine Niere. Im Jahr 2025 verstarben 633 Menschen, bevor sie ein passendes Organ erhalten haben.
2025 wurden 2.666 Patienten transplantiert, davon 1.594 nach einer postmortalen Organspende. (*5)
Fällt euch die riesengroße Kluft auf zwischen Angebot und Nachfrage?: 2.666 und 6.237.
3.571 warten. Und hoffen. Und verzweifeln fast.
Gut, nicht jedes Spenderorgan ist für jeden Patienten geeignet, das sollte klar sein. Die Blutgruppe und noch viele andere Parameter müssen zusammenpassen, damit eine Aussicht auf Erfolg besteht. Ein Kriterium.
Und doch hat es 2025 bei 2.666 Wartenden gepasst.
Ich hab jetzt auch eine!
Warum gerade ich?
Was bevorzugt mich vor all den vielen anderen?
Wo es vielleicht auch gepasst hätte?
Die Wartezeit ist ein zweites Kriterium. Du wirst nicht heute Dialyse-Patient und nächstes Jahr bekommst du eine neue Niere. Da sind erst mal die anderen dran, die schon lange vor dir gewartet haben.
Warum gerade ich?
Was bevorzugt mich vor all den vielen anderen?
Es gibt noch viele, die schon viel länger als ich warten.
Ein drittes Kriterium ist vielleicht die Dringlichkeit?
Okay, ich war immer fit wie ´n Turnschuh. Gut, vielleicht wie ´n ausgelatschter, der mächtig geschwitzt hat, als er den Apfelbaum mit einer einfachen Bügelsäge umgemäht hat. Aber ich hab sowas noch geschafft. Und noch anderes, bin ja nicht umsonst von der Leiter gefallen…
Ich kannte Patienten, die haben auf dem letzten Loch gepfiffen. Manche schon dort, wo gar kein Loch mehr war. Die kamen auch nicht vor mir dran. Wie viele kannte ich, die lagen neben mir an der Maschine, fuhren mit mir im Taxi zum Zentrum, die heute alle nicht mehr leben. Die haben alle gewartet. Wie ich.
Warum gerade ich?
Was bevorzugt mich vor all den vielen anderen?
Bin ich ein besserer Mensch? Hab ich´s deshalb eher verdient?
Ooooooooh nein!!! Ich bin genauso ein Schlawiner wie alle anderen auch. Ich bin weder besser noch schlechter.
Ich weiß eins: Ich bin von Gott geliebt. Er sorgt für mich, er kümmert sich um mich, er hat einen Plan für mein Leben, einen Weg.
Und ich weiß: Gott ist gut. Immer. Ununterbrochen. Seine Pläne sind gut. Immer und für alle.
99,98% meiner Leser werden jetzt lautstark protestieren, das Laptop zuknallen oder das Handy an die Wand und meinen Blog dauerhaft auf „Ignorieren“ setzen.
„Wie kann der so eine gequirlte Sch… schreiben! Gott ist gut! Und immer! Und für alle!
Mindestens 3.752 „Warum“ tauchen jetzt in den Köpfen auf. „Warum kann dieser ach so gute Gott dies und das zulassen?“ „Und warum hat er mir damals nicht…? Wo ich doch so sehr…?“
Für all diese 3.752 Fragen und weitere 18 Milliarden ähnlicher davon, gibt es niemanden, der wenigstens eine befriedigend beantworten könnte.
Nur einer kann sie ALLE beantworten: Dieser liebende, gute Gott. Aber er hat sich nicht dazu verpflichtet, alle unsere Fragen zu beantworten. Er hat sich nur dazu verpflichtet, uns zu lieben, bei uns zu sein und uns zu führen - wenn wir es ihm erlauben.
All diese „Zufälle“, die mir in den letzten 5 Tagen „passiert“ sind und gefühlte weitere tausend in meinem ganzen Leben, als Kind schon, so oft auf meinen Auslandtouren mit meiner „EMMA ENN“ und wo und wann auch immer noch überall, das sind für mich nie „Zufälle“ gewesen. Auch die Geschichte mit meiner Mutter, oder als unsere Jüngste mit 5 Monaten an „Meningitis purulenta“ (*6) gestorben ist und andere Miseren nicht.
Es waren alles „Führungen“. Seltsame zwar, die man menschlich nicht einordnen kann, weil dafür das menschliche Gehirn nicht ausreicht, aber es waren Führungen auf meinem Lebensweg.
Auch diese Transplantation ist eine Führung meines liebenden, fürsorgenden Gottes.
Und ich danke ihm dafür.
(*5) Organspende
(*6) Meningitis