Donnerstag, 03.09.2026, 21:00 Uhr vorbei
Vorerst weiß ich, wo ich die nächsten Beiträge schreibe. Ich bin die nächsten zwei Wochen hier an dieses Bett gebunden (gefesselt klingt so unfreiwillig und hart). Uniklinik Gießen, Station 2.2, NTX/Nierentransplantation, Zimmer 202.
Und weil ich heute auch wieder alleine aufstehen kann und an die Steckdose hinter mir komme, kann ich auch meine Geräte aufladen.
Also wird es mit dem Schreiben schon mal wie bisher gewohnt. In der Klinik im Bett.
Und das war´s auch erstmal fast mit „Vorläufig“.
Was ist in den letzten zwei Tagen passiert?:
Viel. Und Gravierendes.
Vorbereitung zur OP. Das Übliche. Die netten Klamotten anziehen und warten. Um 10:00 Uhr war die OP angesetzt, kurz vor 12:00 Uhr wurde ich dann abgeholt. Runter in die -2, durch ein Gewirr von Gängen, in die sogenannte Schleuse. Dort von meinem Bett auf den OP-Wagen. Praktisch ein Tisch mit Rädern, der dann an den OP-Platz gefahren wird. Die Fahrt hab ich aber gar nicht mehr mitgekriegt, weil ich vorher schon ins Nirvana befördert wurde.
Und dann lange Zeit: NICHTS.
Irgendwann hat mich dann mal jefrau angesprochen, ob ich sie höre und ob es mir gut geht. Konnte beides Bejaen. (Bejaen ist kein thaiwanisches Wort, sondern das ist deutsch und man meint: Ich sage zu etwas „Ja“.)
Noch irgendwanner bin ich dann auf meinem Zimmer exakt um 21:27 Uhr das erste mal richtig aufgewacht. Aber nur kurz. Den Rest der Nacht habe ich wieder im Tiefschlaf und mit den wildesten Träumen verbracht. (Waren aber alle anständig!)
Am Morgen dann hab ich erstmal richtig registriert, dass ich überhaupt noch lebe, dass der Bauch noch da ist und was ich alles in mir und an mir habe und was mir wo überall weh tut:
- Bauchschmerzen, aber eher auf der Bauchdecke als wie sonst innen, wenn man Bauchweh hat.
- Der „Zugang“ zum Blasenkatheter. Ich hab also n Schlauch in der Blase, damit der Urin dort nicht gesammelt wird und die jahrelang kaum oder gar nicht mehr beanspruchte Blasenwand nicht plötzlich so dehnt. Dieses Katheter bleibt mindestens eine Woche drin. So kann sich die Blase langsam dran gewöhnen, dass in ihr wieder Urin gesammelt werden soll. Nun gut, ein etwas gewöhnungsbedürftiges Gefühl…
- An der Seite bei der Naht habe ich noch eine Drainage, damit Wundflüssigkeit und Blut ablaufen kann. Diese bleibt noch 1 bis 2 Tage, je nach Bedarf.
- Am Hals wurde noch ein Katheter eingeführt. Aua bei jeder unbedachten Kopfbewegung. Aber heute spüre ich schon fast gar nichts mehr. Durch diesen Katheter bekomme ich unter anderem Kochsalz-Lösung, damit ich, weil ich 2 Tage nichts getrunken habe, nicht dehydriere. Und jetzt auch ein Blutdruckmittel gegen den zu geringen Blutdruck, weil ich ja nur faul rumliege und mich so gut wie nicht (schmerzfrei) bewegen kann.
- An der Brust sind 4 „Aufkleber“ mit Kabeln für EKG-Messungen. Die tun dann aber nur weh, wenn man beim Abmachen die ganzen Brusthaare mit rauszieht…
- Die Blutdruck-Manschette am rechten Arm traue ich mich da fast schon gar nicht mehr zu erwähnen. Die war zur Dialyse ja auch die ganze Zeit dran.
- Am linken Zeigefinger ein Sauerstoff-Sättigungs-Messer. Der tut zwar nicht weh, aber stört unheimlich beim Tippen. Mehr noch als die vertränten Augen.
- Und dann noch der Zugang am Arm vom ersten Abend.
Am allerigendwannsten dann, es war schon fast Vormittag, habe ich erfahren, dass ich zwar auf der normalen NTX-Station liege, aber in einem Einzelzimmer mit Monitor-Überwachung, wie auf einer Intensiv-Station. Blutdruck, Puls, Herz-Messungen, Blutabnahmen, Ulraschall, Infusionen und was weiß ich noch alles.
Und dann eben die Ausscheidungs-Menge!
Am Anfang waren es ja gleich fast 200 ml die Stunde. Das hat dann etwas nachgelassen, ist aber normal so.
Heute liege ich bei 1000 ml pro Tag! 1 Liter Urin am Tag!
Und es wird sich noch mehr verändern.
Davon aber im nächsten Beitrag.