Sonntag, 06.09.2026, 18:20 Uhr
„1,2“! „1,2“! „1,2 mg/dL“, 1,2 mg/dL Kreatinin“! „1,2“! „1,2“!
Diese Zahl geht mir schon den ganzen Tag durch den Kopf, den ganzen Tag. Und dann füllen sich meine Augen mit Tränen. Tränen der Freude, oder noch viel mehr als Freude. Ergriffenheit. Überwältigung. Heutzutage würde man sagen „Total geflasht!“ Und dann läuft mir die Nase. Und dann muss ich Schnäuzen. Und dann tut´s weh im Bauch! Heut hat es oft weh getan im Bauch. Weil ich oft Schnäuzen musste. Weil meine Nase oft gelaufen ist…
Ich war 17 Jahre alt, 1971, da ist meine Mutter im Alter von 52 an Nierenversagen gestorben. Nie was gespürt. Aus anderen Gründen hat sie Schmerztabletten gegessen, wie ich damals die Bonbons.
Eines Tages ist sie in der Küche zusammengebrochen, kam ins Krankenhaus und als mein Vater den Arzt fragte, was man da machen könnte, meinte dieser nur kurz: „Ihre Frau ist nicht mehr lebensfähig.“ Nach ca. 2 - 3 Wochen war sie tot…
Damals kam doch niemand auf die Idee, dass sich ihre Söhne auch mal auf Nierenprobleme untersuchen lassen sollten. Vielleicht wusste man damals noch nicht, dass das auch erblich sein kann…
Wahrscheinlich hatte ich das damals auch schon. Vielleicht schon seit der Geburt.
Mit etwa 50 wurde dann mein damaliger Hausarzt stutzig wegen der Blutwerte und überwies mich zum Nephrologen (dahin, wo ich bis zuletzt immer noch war). Der stellte fest: Nierenleistung noch 50 %. Ich hatte doch keine Ahnung, was das bedeutete.
10 Jahre später ging ich da nochmal hin. Diesmal nur noch 30 %. Die Untersuchungen wurden engmaschiger bis ich mich zuletzt alle 2 Wochen dort vorstellte. Mit über 7 mg/dL Kreatinin fing es dann an.
Acht Jahre lang, dreimal die Woche…
„1,2“. Innerhalb von 3 und 1/2 Tagen nach der Transplantation. Von 4,8 auf 1,2 mg/dL. „1,2“!
Hier noch der Original-Spruch vorn im Flur. Hab ihn, so gut es ging, abfotografiert: