Unbedingt

Dienstag, 22.09.2026, 16:00 Uhr


Es ist später Vormittag. Ich sitze gemütlich im Sessel, habe die Füße hochgelegt, das MacBook auf den Beinen - und schau gemütlich zu, wie meine Haushalthilfe den Fußboden wischt.


Haushalthilfe. Egal, wer, egal, wie, egal, wann. Nicht egal, wie oft!
Wenn du nierentransplantiert bist, dann denkst du in der Klinik noch, du könntest schon Bäume ausreißen, Gut, vorerst vielleicht nur Bonsais, aber immerhin so klitzekleine wenigstens. In der Klinik hast du ja auch fast nichts gemacht oder machen müssen. 2,5 km auf dem Flur spazieren, mal runter bei der Cafeteria vorbeischauen (nur schauen!), ein bis zwei Treppen steigen und das war´s schon. Alles Andre haben die Schwestern von dir wegdelegiert.


Am Tag der Entlassung bist du dann doch irgendwie geschafft, wenn du zuhaue ankommst. Dann ist da was, dort was, dieser Handgriff und jener auch noch. Alles Kleinigkeiten, aber die summieren sich so rasch, dass du am Ende mehr gemacht hast, als die letzten drei Tage in der Klinik zusammen.
Dann bist du froh, wenn du dich endlich ins Bett fallen lassen kannst. Was heißt „Fallen“? Du setzt dich ganz langsam und vorsichtig auf die Bettkante, nimmst einen Fuß nach dem anderen hoch auf´s Bett (gut, du bist kein Tausendfüßler!) und legst dich langsam um. Liegen! Entspannt liegen! Welch Wohltat nach der Anstrengung! Jetzt merkst du erst: Es war doch bissel zu viel.


Am zweiten Tag wird das schon besser. Du hast aus den Fehlern von gestern gelernt, zumindest aus einigen und schaltest einen Gang runter. „War ich gestern nicht schon im ersten Gang? Wo soll ich da noch runter schalten?“ Ja, das geht. Und du wirst es schaffen. Freiwillig.


An dritten Tag beginnt schon eine gewisse Routine. Du entwickelst Regelmäßigkeiten, der Tag beginnt organisierter zu werden. Deine Bewegungen und Aktivitäten sind bewusst langsamer geworden. Heute merkst du, dass sich dein Zustand immer ein bisschen bessert.


Das zu dir. Das schaffst du ganz alleine. Wir sprachen am Anfang von der Haushalthilfe.

Wer macht dir das Essen, wenn du das nicht einfach mit Alwin selber machen kannst?
Wer geht für dich zur Apotheke, Medis oder andere Sachen holen?
Wer wäscht deine Wäsche?
Wer hält zumindest dein Zimmer peinlich sauber?
Und den Rest der Wohnung? Du darfst nicht mal Staub saugen!
Wer kauft dir die Dinge ein, die du essen und trinken möchtest. Du hast ja dummerweise das „Tischlein deck dich“ erst kurz vor der Transplantation verborgt!
Wer bezieht dein Bett neu? Das kannst und sollst du jetzt noch nicht.
Wenn das Klopapier alle ist - und das kann durchaus passieren, wenn du nicht zufällig vor dem Klinikaufenthalt welches besorgt hast - wer bring dir neues?
Wer bringt den Müll raus und stellt die Tonnen an die Straße?
Wer holt dir aus deinem Garten die reifen Tomaten? Du darfst ja bis Frühling 2027 nicht mehr dorthin. Und wer mäht da mal den Rasen?
Sicherlich hab ich in der Liste noch einiges nicht bedacht.

Wenn du dafür keinen „anderen Teil deiner Ehe oder Beziehung“ hast, der/die das übernehmen kann oder will, dann hast du als Transplantierter echt ein Riesen Problem!

Du KANNST NICHT EINFACH SO ALLEINE ZUHAUSE ÜBERLEBEN!!! Das geht nicht!! Du brauchst unbedingt jemand/jefrau, der/die das für dich übernimmt! Das muss dir vor der Klinik-Entlassung sowas von klar sein! Hattest du bisher niemand dazu, dann kümmere dich rechtzeitig genug darum, dass das eine professionelle Pflegefirma übernimmt.


Bei mir übernimmt das alles meine Haushalthilfe. Ich hatte sie schon seit etwa drei Jahren zum Putzen engagiert. Und nun hat sie sich bereit erklärt, diesen Aufgabenbereich ebenfalls zu übernehmen. Vom Einkaufen, manchmal fertiges Essen vorbeibringen über das Putzen bis hin zum Rasen mähen ist sie das, die diese Aufgaben übernommen hat.


Ist es da ein Wunder, dass ich gechillt zuschaue, wie sie den Fußboden massiert?

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