Rückbau

Montag, 07.09.2026, 15:00 Uhr


Ich habe euch doch erzählt, wo mir was wie weh tut:

Ich hatte den Venenzugang am rechten Arm gleich am Anfang.
Ich hatte die OP-Narbe am Unterbauch.
Ich hatte einen ZVK rechts am Hals (das bedeutet NICHT: Zombi-Versorgungs-Kantine, sondern Zentrales-Venen-Katheter!) Da waren vier einzelne Anschlüsse dran für Infusionen und zum Blut abnehmen.
Ich hatte einen Schlauch im Bauch mit Sekret-Beutel dran, damit die Wundflüssigkeit aus dem Bauchraum ablaufen kann.
Ich hatte einen Blasen-Katheder - dort, wo er halt hingehört…
Ich hatte 3 oder 4 Stöpsel auf der Brust, die mit Kabeln am Überwachungs-Monitor hingen.
Ich hatte eine Blutdruck-Manschette am rechten Arm.
Ich hatte einen Sauerstoff-Sättigungs- Clip am linken Zeigefinger, der so furchtbar beim Schreiben gehindert hat.

Und dann krieg ich jetzt immer mal Blutzucker gemessen. Dass der Ucker nur so blutzt. Das ist aber immer nur einklitzekleiner Pieks. Der Wert war nach dem Mittagessen bei 185! So hoch hatte ich den mein Leben noch nie! Höchstens damals bei den vielen Bonbons?


Dann begann langsam der Rückbau.


Zuerst wurde der Zugang am Arm entfernt.
(Die weitere korrekte Reihenfolge ist ohne Gewähr.)
Die Blutdruck-Manschette wird nur noch beim Messen angelegt.
Der Clip am Finger ist weg und wird auch nur beim Messen drauf gesteckt.
Die „Pepperle“ vom Monitor, die beim Abmachen die Haare mitnehmen, sind ab.


Heute vormittag kamen Arzt und Ärztin und verkündeten froh, dass heute der Sekret-Schlauch gezogen wird.
Ich wusste, das tut höllisch weh!
Was es dann auch tat! Schon mal das Pflaster abziehen! Da waren ja noch Haare an der Stelle auf dem Bauch!
Aber dann erst der Schlauch!

Das große Pflaster, das die OP-Naht abgedeckt hat, ist auch weg. Das hat zum Glück gleichzeitig mit dem kleinen weh getan. Die Narbe sieht gut aus und verheilt auch sehr gut.

Und der ZVK ist auch vom Hals weg. Da hängt sich auch ein Großteil der Barthaare am Pflaster fest. Hat dich schon mal jemand kräftig an den Barthaaren gezupft? So tut das hier auch weh. Unten ein Bild noch davon. Das Ding sieht aus wie ein Klöppelkissen in erzgebirgischen Hutzenstuben. (*7) Ich hab ernsthaft überlegt, ob ich nicht auch noch das Klöppeln lerne, um dem Ding ein angenehmeres Ansehen zu verschaffen.


Was bis morgen noch bleibt, ist ein kleineres Pflaster, das die Sekret-Wunde verschließt.

Und der Blasenkatheter bleibt auch bis morgen. Ich hab nichts dagegen, dass der noch raus kommt. Ist schon ein komisches Gefühl, wenn da was rausguckt und daneben ein großer Beutel mit Schlauch baumelt.
Ob das auch weh tut? Soll ja ´ne empfindliche Stelle sein, sagt man(n). Wenn sie nur nicht das mit abziehen, was dran bleiben soll…


Die Frau Doktor Pott (*8), die damals den Shunt gelegt und dann den ersten Verschluss so perfekt beseitigt hat, hat auch nach dem Verschluss jetzt geschaut. Ihr abschließendes Urteil: Da fließt noch etwas Blut, aber da machen wir nichts. Das kann bleiben. Vielleicht, wenn es mich stört, kann sie die „Knubbel“ auf der Haut, die Aneurysmen, operativ beseitigen. 


Ich werde langsam wieder ein richtiger, freier Mensch. Neugeboren, frei, unabhängig. 


Und eine weitere Neuigkeit, ein weiteres „Anders als vorher“, sogar ganz anders:
Bis jetzt war meine Trinkmenge noch beschränkt auf nur soviel, wie ich Ausscheidung hatte. Auch, damit sich die Niere einarbeiten kann und sich an ihrem neuen Arbeitsplatz erst mal zurechtfinden kann.

Ab heute soll ich so viel trinken, wie ich Durst habe. Mindestens 2 Liter täglich! Und ich WERDE Durst haben, das verspreche ich euch! Es wird eine meiner Lieblingsbeschäftigungen werden.
Als Ersatz für Gartenarbeit. Denn die ist mindestens für das nächste halbe Jahr absolut tabu.
Na, kann ich wenigstens nicht von der Leiter fallen.


Hat auch sein Gutes.


(*7) Klöppeln
(*8) Frau Dr. Pott


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Ich als Klöppel-Kissen

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