Sonntag, 06.09.2026, 10:30 Uhr
Da ist nun Sonntag, es ist schon fast Mittag und ich hab noch nix gemacht! Man, alter Opa!
Gut, ich hab heut Nacht bissel geschrieben, weil ich da partout nicht schlafen konnte. Nach dem Schreiben ging´s dann noch bis halb Sieben.
Nur zwischendurch um Fünf kam die Schwester zum Ausscheidung messen und protokollieren.
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Übrigens: Wisst ihr, dass ihr mir mächtig leid tut? Ihr müsst in den letzten Tagen -
also nicht in euren letzten bis zum Ableben, sondern in den seit Dienstag vergangenen - sooo viel lesen.
Habt ihr überhaupt noch Zeit für was anderes?!
Kleiner Tipp: Die Beiträge laufen euch nicht weg, die stehen noch ewig. Vielleicht länger als ihr…
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Dann wurde ich halb Sieben geweckt. Blut nehmen. Vier Röhrchen. Von einer Studentin, die sticht wie ein Engel! Abbinden, Klopfen, Desinfizieren, Ansetzen, Stechen und kaum ist sie halb drin, läuft schon das Blut. Geil! Eine Traum-Blutabnahme. Gestern früh auch schon so.
Danach musste ich auf´s Klo. Das zweite mal seit gestern Abend. (Gestern nach 84 Stunden das erste mal wieder. Das wäre durchaus normal nach solchen Operationen, meinten die Ärzte, aber ich hab trotzdem zweimal Abführmittel bekommen.)
Umziehen. Alte, verschwitzte Sachen aus, neue an. (Hatte ich erwähnt, dass die Ärztin mich schon am Freitag nicht mehr in dem OP-Hemdchen sehen wollte?)
Um Sieben kommt der Pfleger (quasi der Schwesterer von „die „Schwesterin“, der „Schwesterer“) mit dem Morgenritual.
Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Waage (Ich bin bald wieder an meinem Trockengewicht von 72,1 kg, hatte heute 73,6, davon ziehen wir 0,9 für die Klamotten ab und 0,3 für Bauchgurt und Sekret-Beutel. Macht 72,4 kg.
Zurück ins alte Leben: Da würden sie mir zur Dialyse dann 0,2 plus 0,5 abziehen. Aber da bin ich nicht mehr.
Und schon kam das Frühstück. Und ja, ich kann wieder nach Herzenslust meinen geliebten Schmelzkäse essen! Für Dialytiker ein großes Tabu, weil da ´ne Menge Phosphat im Schmelzsalz drin ist.
Und gestern meinte die Ärztin zu mir: Jetzt MÜSSEN Sie Phosphat essen, sonst bekommen Sie es von uns in Tablettenform!
So viel anders. Das nun auch!
Nach dem Frühstück ein ausgiebiger Spaziergang. Wieder mit Rollator zum Festhalten. Bestimmt an die 100 Meter draußen auf dem langen Flur.
Das ist schon noch ganz anstrengend. Einfach nur langsam einen Fuß vor den anderen setzen, ohne Eile, ohne Belastung. Ich werde noch wochenlang nicht die 2 km von mir zum REWE und zurück laufen können zum „Einspatzen“. Mal zum Metzger runter um die Hausecke, der hat den Laden unter meinem Büro, das geht schon eher.
Kaum wieder im Zimmer, schon kommt der Sonograph-Arzt. Und genauso wie die Tage vorher: Traumbilder einer Traumniere.
Grad eben kommt der Sono-Arzt zu mir und meint: „Herr Klob (das bin ich), ihr Kreatinin-Wert ist bei 1,2.“
Ich könnt heulen vor Freude! Ich mach´s halt auch! Der Wert eines kerngesunden, jungen Mannes in den 20-igern! So einen Wert hatte ich vielleicht vor 40 Jahren mal, wenn überhaupt schon mal in meinem Leben.
Wie steht draußen auf dem Flur an der Wand?:
„Eine Nieren-Transplantation ist wie eine neue Geburt. Nur ohne Baby-Schrei.“
So, jetzt läuten draußen die Sonntags-Glocken von gefühlten 4 Kirchen ihr 11-Uhr-Läuten…
…und ich hab heut noch nix gemacht!