Training pur

Donnerstag, 10.09.2026, 11:30 Uhr


Was heute schon alles los war!

Früh um 5 kommt die Nachtschwester und kontrolliert die Ausscheidungsmenge der letzten 24 Stunden und verabschiedet sich in den Feierabend.
Gegen um 7 kommt die nächste. Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung, Temperatur, Waage.
Mittendrin kommt wieder eine andere mit dem aktuellen Medikamentenplan. Ich muss mir die Medis selber zusammenstellen.
Dann muss ich die einnehmen. Auch selber.
Irgendwer bringt mir gegen 8 das Frühstück ans Bett. Der angenehmste Teil des Morgenrituals.
Heute mitten beim Frühstücken steht die nächste am Bett. „Guten Morgen, einmal Blutabnahme bitte.“ Ey, wie die stechen kann, einfach ein Traum!
Ich bin noch nicht mit Frühstück fertig, kommt die Fußbodenmasseuse (hierzulande auch Putzfrau genannt) und wirbelt im Zimmer herum.

Jetzt habe ich erst mal bissel Luft und kann mit Schreiben beginnen.

Nachher kommt eine Physiotherapeutin mit einem Auszubildenden, der „Befundaufnahme“ lernen muss.
Morgen kommt er wieder, da müssen er „am lebenden Objekt“ eine Vorbehandlung machen. Na, hoffentlich macht der nix kaputt!

Irgendwann wird noch ein Arzt kommen, um nachzusehen, ob und wie ich lebe.
Dann kommt alle paar Stunden wieder eine andere (die haben ganz viele andere) zum Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung und Temperatur.

Das ist für einen Patienten schon mal ein gewaltiges Training.

Aber das richtige, echte Training gab es heute Nacht! Ich hab „Aufstehen“ und „Hinlegen“ trainiert. Gestern ja zum ersten mal ohne Katheter. Tagsüber geht das noch, da ist man sowieso die meiste Zeit wach. Aber nachts! Ich musste von 22:00 Uhr bis 06:00 Uhr 17 (siebzehn) mal das Aufstehen trainieren.
Früher dachte ich immer, wenn man nachts zweimal raus muss, ist das oft. Nein, 17 mal ist oft! Effektiv habe ich insgesamt 1 3/4 Stunden wirklich geschlafen.

Das Gute daran: Ich komme heute schon viel schneller aus dem Bett.

So, gleich kommen eine Ausbilderin in Psychotherapie und ein Auszubildender und er fragt mir Löcher in den Bauch.
Tschühüüüß!

So, wieder da.

Leute, der hat mich gequält! Aber sehr gewissenhaft und professionell.
Erst gefühlte 235 Fragen, dann Körperfunktionen überprüft. Kräfte in den Armen und Beinen messen, Lungenfunktion, Beweglichkeit, (fast) überall abgetastet und all so Sachen.
Das absolute Heihleit (Ich glaub, das wird Highlight geschrieben, warum sagt man dann nicht „Highlight“?) war eine Rennveranstaltung auf dem Flur. Zwei Minuten so schnell laufen, wie es geht.
„Auf die Plätze, Feeeertig, Los!“ 176 Meter in zwei Minuten! Das sind 5,28 km/h!

Na, da komme ich zuhause locker bis zum Bäcker! Vielleicht sogar bis zum Eis-Automaten. Da geht es ja nicht um Minuten. Kann ja auch 10 Minuten dauern. So schnell schmilzt kein Eis.
Da würde ich theoretisch die zwei Kilometer bis zum REWE und zurück in knapp 23 Minuten reißen!
Aber lassen wir das lieber.

Ich glaube, ich hab mir mein Mittagessen heute redlich verdient.

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