Nanu?

Donnerstag, 17.09.20226, 06:30 Uhr 


Komisch. Es ist schon weit nach 05:00 Uhr - und die Nachtschwester war noch nicht da! Was ist da los? Hatten die heut Nacht einen Notfall? Sonst kam sie immer pünktlich um fünf, hat alles geleert, was zu leeren war, hat alle Ergebnisse in die Liste geschrieben, einen neuen Krug Wasser auf den Nachttisch gestellt und die aktuelle Medikamentenliste dazu.

Sie war leise und dezent und immer bestrebt, uns nicht zu wecken. Sie hat nicht mal Licht gemacht, sondern nur die Tür offen gelassen, damit das Licht vom Flur ihre Aktivitäten beleuchtet.

Um Sieben war das dann aber ganz anders! Man konnte nicht mal richtig fertigträumen, sondern wurde unbarmherzig, aber freundlich und bestimmt aus dem Schlaf gerissen - und kurz danach sogar aus dem Bett!
Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung, Thermometer ins Ohr und Temperatur und raus aus dem Bett, Wiegen!

(Warum heißt das Ding dann „Waage“ und nicht „Wiege“, wenn man sich darauf wiegt und nicht waagt?)

Hinterher kannst du dann entscheiden, ob du den Tag jetzt aprupt beginnen willst, bist ja eh putzmunter (gemacht worden), oder ob du dich wieder hinlegst, um noch ein paar Minuten Schlaf rauszuschinden.
Meist hab ich Ersteres getan. Alles andere hat ja sowieso kaum Zweck. Also Bad, Toilette, Waschen (wie ´ne Katze, aber nicht mit der Zunge, sondern dem Waschlappen), Zähne putzen (nicht wie ´ne Katze, denn die hat zwar Zähne, weiß aber nicht, wie sie die Zahnbürste halten soll), neue Sachen anziehen. Dann an den Nachttisch setzen und aus der neuen Liste alle Medikamente für den Tag zusammenstellen. Eigenverantwortlich, denn zuhause muss das dann problemlos funktionieren, das Leben von Daisy häng da dran! Jeden Tag, ein Leben lang!

Wenn du Glück hast, dauert es dann nicht mehr lange und es kommt Arzt oder -in und nimmt Blut ab. Dann, erst dann darfst du deine beiden Überlebens-Medikamente einnehmen, die Immunsuppresiva, die dein Immunsystem soweit runterfahren, dass es Daisy nicht als Fremdkörper in dir sieht und bekämpft, du aber immer noch einen gewissen Grad an Abwehrstoffen hast für Außen-Umwelt-Einflüsse. Eine Gradwanderung.

Kommt dann idealerweise noch eine Schwesterin oder ein Schwesterer mit der Piekse-Blutzucker-Messung, dann kannst du schon auf das Frühstück warten. Wie das aussehen kann, habe ich euch ja schon mal gezeigt (mit dem Schmelzkäse..)


Aber heute ist alles ganz anders! Heute muss ich das alles selber machen. Angefangen vom Leeren, was zu leeren ist bis ganz hinter zum Frühstück. Nur für den Blutzucker habe ich noch kein Gerät. Und Blut abnehmen brauch ich nicht.

Das alles, weil: Heute kommt keine Nachtschwester! Ich habe hier zu Hause einfach keine mehr. Die hatten dafür keine mehr übrig. 


Ja, gestern bin ich entlassen worden! Darüber schreib ich aber später. Für diese paar Zeilen hab ich bis jetzt fast eine Stunde gebraucht. Mit zitternden Fingern auf der Tastatur braucht man für´s Korrigieren der Tippfehler mindestens genauso lange, wie für´s Schreiben selber.

Mal sehen, wie das nachher beim Frühstücken klappt. Ob ich die Butter korrekt auf´s Brötchen krieg? Und was mach ich mir eigentlich da drauf? 


Ich hab ja noch gar keinen Schmelzkäse zuhause…!


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