Samstag, 19.09.2026, 10:00 Uhr
Vor zwei Tagen, nach dem Beitrag vom17.09. „Nicht ganz so einfach“, hat mich jemand gefragt, warum es mir jetzt schlechter geht, als vorher. Es müsste doch viel besser gehen. Das hat seine Gründe. Und in Wirklichkeit geht es mir ja auch viel besser.
Seit ich diese eine Immunsuppressiva "Prograf" bekomme, habe ich vermehrt angefangen, zu zittern. Ich habe jahrzehntelang schon dieses Zittern, das damals seinen Ursprung darin hatte, dass ich einen Winter lang als Heizer eines Betriebes täglich kaum mehr als 4 Stunden geschlafen habe, oft tagelang überhaupt nicht. Schon damals, in den Ende Achzigern, hat mein Nervenkostüm etliche Risse bekommen. Ich musste zum Beispiel oft meine Tasse mit zwei Händen halten, um nichts zu verschütten. Das ist halt bis heute geblieben.
Und nun kommt „Prograf“ noch dazu. Dieses Präparat mit dem Wirkstoff „Tacrolimus“ beeinflusst das Nervensystem und kann die Reizübertragung im Gehirn und in den Nerven verändern. Wenn man die ganze Nacht kein Auge aufgemacht hat und nichts getrunken hat, dann beeinflussen niedriger Blutzucker und Blutdruck und der Flüssigkeitshaushalt diese Nebenwirkung noch stärker.
Nummer 1 der Gründe, warum es mir „schlechter“ geht.
Nummer 2:
In der Klinik wurde ich vorn und hinten bedient. Da durfte ich mich anfangs auch gar nicht anstrengen. Paar Meter auf dem Flur laufen, war schon viel. Auch da war ich schon ziemlich außer Atem und war danach am Zittern, besonders in der zweiten Woche, wo Tacrolimus schon genug Zeit hatte, in meinen Nerven rumzustochern. Ich habe es ja berichtet, welche Probleme ich da beim Frühstück hatte.
Dann zu Hause. Alles selber machen müssen. Wohnung auf zwei Etagen. Du bleibst nicht den ganzen Tag still sitzen. Du musst was Essen. Das musst du dir erst mal machen. Das kommt nicht alleine um die Ecke gelaufen. (Essen kann gar nicht laufen, höchstens überlaufen.) Dann guckst du hier, guckst du dort, machst diesen und jenen kleinen Handgriff - und schon hast du dein tägliches Bewegungsziel von 400 KCAL weit überschritten. Am Tag der Entlassung hatte ich 309 KCAL. Tags drauf 491 KCAL. Gesten waren es nur 407 KCAL, weil ich da zur Nachkontrolle war, mit Taxi hin und zurück gefahren wurde und man beim Sitzen und Warten so gut wie keine Kalorien verbraucht. (Tipp für alle Fernsehgucker!) Trotzdem war der Tag gestern total anstrengend. (Was sich bei den Fernsehguckern nur geistig auszuwirken scheint.)
Zusammenfassung:
Mir geht es nicht schlechter, mir geht es erstaunlich viel besser. Hier lege ich den größten Fokus auf Daisy und ihre hervorragende Arbeit. Es ist wirklich erstaunlich, wie gut sie funktioniert! 2250 Milliliter hat sie die letzten 24 Stunden geschafft. Meine beiden vor der Transplantation nur noch etwa 10 bis 20 Milliliter. 100 zu 1.
Ich kann wieder (fast) schmerzfrei laufen und mich bewegen, brauche seit gestern keinen Bauchgurt mehr und kann auch wieder problemlos auf der Seite schlafen.
Das Essen schmeckt. (Kein Wunder, ich mach das ja selber.)
Mein Gehstock ist auch da und ich habe etwas mehr Sicherheit beim Gehen, wenn es mir doch mal Schwindelig wird nach zu schnellem Aufstehen. Dann kann ich auf drei statt nur auf zwei Beinen stehen.
Und bald schlafe ich auch in einem neuen Bett. Mit verstellbarem Lattenrost, wie im Krankenhaus, nur schöner. Man gönnt sich ja sonst nichts. Die Liege, auf der ich momentan nächtige, oft auch tägige, ist so alt, bei der hat Noah schon überlegt, ob er sie nicht aus der Arche wirft, weil sie damals schon so alt war. Nun gut, er dachte wohl: „Hermann, der alte Ossi, könnte sie vielleicht noch zu was gebrauchen.“ Doch nun ist Schluss! Der Sperrmüll soll sie haben!
Das leidige Zittern kommt ausschließlich vom Tacrolimus und wird sich mit der Zeit, wenn ich weniger davon einnehmen muss noch weiter verringern.
Zusammenfassung der Zusammenfassung:
Mir geht´s ausgesprochen gut!