Auch das noch!

Sonntag, 06.09.2026, 03:32 Uhr


Die ganze neue Geschichte ist ja begleitet von einer Reihe von perfekten Timings, dass man nur so staunen kann. Das fing ja bereits damit an, dass ich schon zuhause war, als die Polizei geklingelt hat. Ich war vom Garten nach Hause am Überlegen, weil mein Schienenersatz-Bus Verspätung hatte, dass ich doch nicht schon in Lich, sondern erst in Gießen umsteigen könnte. Dann wäre ich über eine Stunde später heim gekommen (hätte zwar im Bahnhof noch eine leckere Döner-Box essen können), aber alles daheim wäre eine Stunde später passiert. Vielleicht wäre ich grad unter der Dusche gestanden beim Klingeln. Zumindest die Hektik wäre viel größer gewesen.

Dann war meine Notfall-Tasche fertig gepackt bis auf ein paar alltägliche Dinge wie Ladegeräte und so. Aber das sollte für jemand, der auf eine neue Niere wartet, eher selbstverständlich sein als ein Zufall.


Dann hatte ich gleich ein Taxi parat und musste nicht umständlich kurz vor Mitternacht bei uns in der „Provinz“ eins wach klingeln. Das hätte wertvolle Zeit gekostet.


Dann war in der Klinik alles so wunderbar vorbereitet und alles konnte reibungslos abgearbeitet werden. Auch - und das will ich besonders betonen - die allerletzte Dialyse!


Ich hatte am Montag meine ganz normale Dialyse im Zentrum ich Lich, wie immer all die Jahre. Ganz normal. Ohne Komplikationen. Nur ein paar Dialysen vorher gab es doch die Probleme mit dem Shunt, mit der verhärteten, verkalkten Stelle, wo die untere Nadel immer so schwer rein ging und wir eine neue Einstichstelle finden mussten. Hat ja dann auch wunderbar funktioniert.


Und jetzt kommt so ein Stück „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Ich hatte schon zweimal einen Shuntverschluss. Bei einem hatten wir kurz vorher eine neue Stelle für einen „Buttonhole“-Zugang (*2) finden müssen, weil es bei dem anderen nicht mehr richtig lief. Als das Knopfloch dann fertig angelegt war und ich zweimal wieder selber die Nadel gestochen habe, gab es einen Shuntverschluss. Aus und dicht! Dialyse abbrechen, bzw. gar nicht anfangen, Einpacken, nach Hause, Notfalltasche schnappen und in die Unklinik zur Shunt-OP. Auf den Bildern seht ihr, wie mein Arm am 02. Januar 2024 (Ja, ich war über Silvester/Neujahr im Krankenhaus!) nach der OP aussah!


Nun das „Murmeltier“:
Zunächst aus dem Beitrag von Jahr 8, „Appetitten“ vom 07. 07.2025:
Am Nadel-Set zur Dialyse gibt es immer mehr Probleme mit dem Stechen. Der Shunt ist so hart. Vielleicht ist ein Knopfloch wieder die Lösung?: Immer an der selben Stelle stechen. Das Loch lässt sich nach einiger Zeit so gut stechen, dass man dazu sogar stumpfere Nadeln verwendet. Die Gefahr dabei ist, dass es nach geraumer Zeit, vielleicht einem, vielleicht nur einem halben Jahr, zum Shunt-Verschluss kommen kann.


„Zurück in die Zukunft“, ins Heute bzw. ins Gestern, denn heute ist schon 4 Stunden Sonntag:

Am Freitag, 21.08.2026 (Siehe Beitrag vom 21.08., „Auch ihr zuliebe“) hab ich dann wieder selber gestochen.
Freitag, dann Montag, dann Mittwoch vor der Transplantation nochmal hier in der Klinik.
Dann: Nie wieder Dialyse, nie wieder Nadeln in den Shunt stechen! Brauche ich nicht mehr!


Heute, also gestern, gehe ich auf dem Flur Spazieren und merke plötztlich so nebenbei: Der Shunt schwirrt nicht mehr, dieses Schwirren unter der Haut in der Vene, das immer so pulsiert und ein sicheres Zeichen ist, dass der Shunt funktioniert. Nichts, kein Schwirren, kein „Bschschssch“ oder „Bsch“ mehr. Er ist auch kälter als seine Umgebung und nicht wie sonst immer viel wärmer, weil da ja mehr und schneller Blut durchläuft.
Zwei Pfleger und dann eine Ärztin haben es bestätigt: Shuntverschluss!!!

Auch das noch!


Aaaaaber: Nach sofortiger, eingehender Beratung der NTX-Ärzte hier wurde entschieden, der Shunt bleibt, wie er ist.
Der Verschluss birgt keine Gefahr, das kann im Normalfall gefahrlos monatelang unbehandelt bleiben.
Und sie sind sich alle einig: Ich brauche diesen Shunt nie wieder, deshalb ist hier auch keine Eile mehr geboten, wie normal üblich, weil ein Shunt ja sonst immer dringend wieder gebraucht wird.


Mein Shunt ist tot!
Was wäre gewesen, wäre der Verschluss letzten Freitag gekommen oder auch am Montag?
Notaufnahme in der Uni-Klinik, Shunt-OP, die dritte.

Ich hätte am nächsten Tag, am Dienstag keinen nächtlichen Besuch von der Polizei bekommen und hätte jetzt keine neue Niere!
Zwei solche OP´s zur gleichen Zeit, also erst eine Shunt-OP und danach noch eine Transplantation, sind unmöglich, die Gefahr von Komplikationen ist zu hoch.
Vielleicht hätten noch acht weitere Jahre Dialyse auf mich gewartet….


Aber so kam der Verschluss genau zur richtigen Zeit.
Gut, er hätte auch ausbleiben können, aber nun stört es nicht viel mehr, als wenn ich einen Hosenknopf verloren hätte.


Eine Reihe von perfekten Timings. Auch das noch. Aber diesmal sowas von positiv!

(*2): "Buttonhole" erklärt


So nun ist es halb Fünf am Sonntag Morgen und ich stell den Bericht noch online.


Nach der Shunt-OP

Egal, wie weit verheilt, wichtig ist, dass das Blut schnell wieder fließt. Die Nadeln kommen vorerst daneben rein.

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