Mai 17 2019

Freitag.

Ich habe es geschafft! Der „Internationale Kampf- und Feiertag der Werktätigen für Frieden und Sozialismus“ hat funktioniert! Seit heute bekomme ich fünf halbe Brötchen. Ich werde in Zukunft nicht verhungern, wenn ich an Daisy hänge. Ich bin der Einzige hier mit fünf Brötchen. Ups. „Der hat’s nur mit dem Essen!“ werden einige denken. Tja, Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen. Ohne Essen und Trinken gehen beide bald eigene Wege. Der eine nach unten, die andre nach oben. Seit ich denken kann und besonders, seit ich mit etwa 12 angefangen hab zu kochen, ist Essen eine meiner Hauptbeschäftigungen. Gerne und viel. Konnte ich mir leisten, hatte immer ne Topfigur. Manchmal hätte ich mich sogar hinter einem Besenstiel verstecken können. Dann kam die Zeit als Fernfahrer. Was tun Fernfahrer? Den ganzen Tag bequem im Sessel am Fenster sitzen und rausgucken. Wenig Bewegung, wenig Kalorienverbrauch, wenig Topfigur, mehr Bauch & Co. Mit der Essen-Umstellung hat das dann nicht so funktioniert. Sieht man mir heute an.

Die Zeit kurz vor der Dialyse war da anders. Hatte ich schon mal erwähnt. Kein Appetit, kein wirkliches Hungergefühl, keine Lust auf Essen. Die Nieren haben die Entgiftung nicht mehr geschafft und als Reaktion darauf dem Gehirn signalisiert, dass der Körper „satt“ ist und nichts braucht. Müssen erst mal das, was da ist, bewältigen. So sind übrigens auch meine beiden Katzen gestorben. Durch Nierenversagen hatten sie keinen Hunger, haben demzufolge nichts mehr gefressen und sind deshalb schlichtweg verhungert (außer durch die hohe Giftstoff-Konzentration natürlich). Oft hab ich nur aus Vernunftgründen gegessen. Früher war ein halbes Grillhähnchen knapp über dem Mindestbedarf. Heute ist oft ein halber Hähnchenschenkel genug. Mittlerweile hat sich mein Körper aber wieder so weit erholt und entgiftet, dass das „Grillhähnchen-Level“ wieder näher rückt. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass ich wieder körperlich aktiver werde. Mehr Ausarbeitung - zum Beispiel im Garten - macht wieder Appetit. Aber auch die  Einstellung zur Arbeit, der innere Antrieb, Aufgaben zu erledigen, kommt wieder zurück. Das ist alles vor der Dialyse den Bach runter gegangen. Jede Aufgabe, jeder Termin war eine Last und wurde so lange wie möglich rausgeschoben. Das war aber keine Faulheit, wie es Männern oft grundsätzlich angelastet wird - ich weiß, wovon ich spreche - sondern ist eher medizinisch bedingt gewesen.

Jetzt zum Beispiel freue ich mich, nach dem Tagebucheintrag einen Kundenauftrag abzuarbeiten.

Gegessen hab ich, satt bin ich auch. Also dann...

 

Bis Montag.

 

Kommentar 0
blockHeaderEditIcon
blockHeaderEditIcon
blockHeaderEditIcon
blockHeaderEditIcon
blockHeaderEditIcon
blockHeaderEditIcon
Benutzername:
User-Login
Ihr E-Mail
Kein Problem. Geben Sie hier Ihre E-Mail-Adresse ein, mit der Sie sich registriert haben.
*