Zuckersüß

(181 x gelesen) im
Apr 10 2019

Mittwoch, der Tag zwischen Dienstag und Donnerstag. Aber das weiß hier sowieso jeder.

Vier halbe Brötchen, ein Wasser, ein Kaffee komplett mit 3 Zucker. Gestern meinte jemand (nach den neuen Gender-Regelungen müsste es eigentlich „jefraud“ heißen) zu mir: „Drei Zucker! Das ist doch viel zu viel!“ Naja, eigentlich müssen in so eine Tasse sechs Zucker. Aber dann darf man nicht umrühren, sonst ist er zu süß.

Und immer noch nicht so verrückt wie damals in Rumänien. Ich war unterwegs von Medias Richtung Norden an die ukrainische Grenze, in irgend so ein kleines Dorf mitten in den Bergen. Hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen. Das war auch so eine Gegend dort, die mir vorkam, als wäre ich im Spätmittelalter oder in einem Bauernmuseum. Täuschend ähnlich, nur dass Mensch und Tier sich bewegt haben und nicht auf verblichenen Bildern abgelichtet. Ich musste dort Bauholz abholen. Ein älterer Herr aus Medias war mein „Navi“. Ich hätte sonst nie dorthin gefunden. Bis Bistrita vielleicht, aber dann... 

Nebenbei bemerkt, wir kamen dorthin nach einem schweren Unwetter mit Bergrutschen, Überschwemmungen, Schlamm, unterspülten Straßen, Felsbrocken auf den Straßen, so groß wie mein Führerhaus, marode Brücken, allgemeines Chaos. Denkbar ungünstige Bedingungen, dort mit nem 26-Tonner zu kutschieren. Wir haben auf der Hinfahrt öfters als einmal den Atem angehalten und uns gefragt, ob wir da durch oder drüber kommen. Und dann zurück, voll beladen? Ich war heilfroh, dass ich wenigstens ohne Hänger unterwegs war.

Der Sägewerk-Besitzer war über das Wochenende unser Gastgeber. Und da ist es unter anderem so Sitte, dass bei den Mahlzeiten die Gäste im Wohnzimmer sitzen vor einem reich gedeckten Tisch und die Gastgeber sitzen in der Küche. Egal, ob du dann als einziger Gast alleine im Wohnzimmer essen musst oder ihr seid mehrere. Diesmal waren wir zu dritt: mein Sohn, mein „Navi“ und ich. Frühstück. Mit Kaffee. Der Rumäne nimmt sich aus der Zuckerdose einen Löffel, zwei Löffel, drei Löffel...     VIER Löffel, FÜNF Löffel! Dann legt er den Löffel beiseite, nimmt die Dose und schüttet den Rest, etwa nochmal 5-8 Löffel, in seine Tasse, nimmt den Löffel, rührt um und trinkt aus, verlegen grinsend dabei, weil mein Sohn und ich mit offenen Mündern zuschauten. 

Er hat es überlebt. Ich kann mir das nur so erklären, dass er zuhause in ärmlichen Verhältnissen sicher sehr wenig Zucker haben und hier mal richtig zuschlagen konnte.

Also ist auch Kaffee mit 13 Löffeln Zucker noch trinkbar. Was sind da meine drei dagegen? Grad mal süß genug.

 

Und dass ich ein ziemlich süßer (unwiderstehlicher) Typ bin, wissen einige meiner Leser_innen ja bereits...

 

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