Mär 11 2019

Mir gehen schon das ganze Wochenende diese zwei Sprüche nicht aus dem Kopf:

„Das Leben bietet nicht nur Nachteile - es hat auch schlechte Seiten.“ Und:

„Manchmal verliert man eben, aber es kommen auch wieder Zeiten, da gewinnen die anderen.“

Es gibt eben Situationen, da kann man tun und lassen, was man will, es ist immer irgendwie grade verkehrt. Das ist so ähnlich wie bei der Frage einer Frau „Schatz, findest du mich zu dick?“ Was soll man da antworten als Schatz? Da gibt es keine richtige Antwort, keine, die zufriedenstellend wäre. Sowohl beim Ja als auch beim Nein gibt es Stress, Und bei allen Variationen dazwischen auch. Vorwürfe, Anschuldigungen, Missverständnisse, Streit, Tränen - und beim Schatz Verzweiflung, weil er ihr doch nur ein ehrliches Kompliment geben wollte. Und wenn er dezent dazu schweigt ist es noch schlimmer. „Mach dir einen Plan und sei ein großer Wicht und mach dir einen zweiten, gehn tun sie beide nicht.“ Sich langsam zurückziehen um solche Frageprovokationen zu vermeiden? Nur eine noch bessere Möglichkeit, solche Situationen eskalieren zu lassen.

Wo wir wieder bei den Sprüchen von oben sind. Manchmal kann man das Leben eben einfach nur ertragen. Dabei könnte alles so schön...

„Uuuund cut!“

 

Szenenwechsel

 

„Kamera ab! Ruhe! Klappe!“

Seit einigen Tagen steigt mein Gewicht. Man könnte meinen: kein Wunder bei dem vielen Eisen. Eisen ist ja schwer. (Heut krieg ich schon wieder welches.) Aber auch der Blutdruck, der in den letzten Wochen kontinuierlich in den Bereich „unterer Normalwert“ gesunken ist, so dass man schon langsam darüber hätte nachdenken können, die Medikation etwas zu ändern, er steigt wieder. Aber heute? 173/72 Watt’n da los? Und es liegt sicher nicht an der hübschen Schwester, die mir die Nadeln gelegt (oder gesetzt?) hat. Trotzdem Kaffee zum Frühstück! Da gewöhn ich mich grad dran. Und der schmeckt hier. Und erinnert mich an meinen Ferienjob.

Blutwerte? Ja. Wie? Gut. Genauer? Ja. Kalium? Bei 4,6. Das ist schon einige Wochen so konstant. Ich mach wohl beim Essen alles richtig. Ich hätte noch Platz nach oben bis 6,0. Es stimmt, was das Buch über Dialyse-Ernährung sagt; „Alles ist erlaubt. Es kommt auf die richtige Mischung an.“ Hämoglobin? 10,4. Wie letzte Woche. Noch im Keller. Mit Licht aus. Wenigstens geht es nicht bergab. Wie sagte doch die Maus, die von der Katze gefangen im Maul die Treppe hochgetragen wurde? „Wenigstens geht’s bergauf.“ Meine Katzentreppe ginge bis zu einem HB-Wert von 12-14. Das wäre für mich als Dia-Patient erstrebenswert. Bei Normalbürgern kann er bis über 17 sein. Das würde aber mein Blut zu dick machen und unter anderem den Shunt zu sehr belasten. (Nicht nur Leute können zu dick werden, sondern auch das Blut. Wer hätte das gedacht?)

„Wir unterbrechen unsere Berichterstattung für eine Meldung von der aktuellen Blutdruckmessung. Wie wir soeben von Daisy’s Monitor erfahren, ist der Blutdruck nach einer Stunde nun bei 136/79 und somit im akzeptablen Bereich.“ Sag ich doch. Liegt nicht an der Schwester. Die ist immer noch im Raum. (und immer noch hübsch)... Und der Kaffee touchiert mein gutes Gewissen.

Was ich noch erfreulich feststelle, ist, dass ich seit Tagen ohne Mittagsschlaf auskomme. Und dass ich beim Spaziergang auf meiner „Normstrecke“ weniger Atemnot und dafür mehr Kondition hab. Schneller, weiter, höher.

„In einigen Minuten wird Arztvisite sein. Sobald Ergebnisse vorliegen, werden wir unsere werte Leserschaft darüber informieren. Bis dahin unterhalten wir Sie mit Musik.“ (Nun müsst ihr als Leser euch selber Mucke anmachen, das funktioniert im Blog nicht wirklich.)

...Leise Musik läuft, auf dem Monitor langsam wechselnde Bilder von Tieren und Landschaften. Das beruhigt. Noch zwei Patienten, dann ist der Onkel Doktor bei mir...

Noch ein Patient...

Jetzt!

Die Gewichtszunahme kann Ergebnis sein von zu viel Wasser im System. Obwohl ich immer noch genügend Ausscheidung habe, kann es durchaus sein, dass sich zu viel Wasser im Gewebe (im Körpergewebe, nicht in der Kleidung) ansammelt, was man (in diesem speziellen Fall: ich) nicht unbedingt spüren muss. Daisy wird neu justiert und zieht nun vorsichtig mehr Wasser ab. Das UF-Ziel steht zwar immer noch auf 700, jetzt aber mit einem Toleranzbereich von +500, -500. Daisy in ihrer Weisheit und Erfahrung regelt das nun in Eigenregie. Und ich „höre in mich rein“, wie es der Arzt formulierte, „und sehe“, wie ich mit Daisy’s Handling zurecht komme. (Was kann man beim Hören sehen?!) Für Insider: Auf diese Weise wird aktuell mein optimales Trockengewicht eingestellt, überprüft und bei Bedarf neu ermittelt. Im Übrigen ist der Arzt zufrieden. Auch mit der Aussage, dass meine Kondition langsam steigt. Zu Beginn der Dialyse im Oktober ´18 war das ein Thema, dass es etwa ein halbes Jahr dauern würde, bis der Körper anfängt, spürbar und dauerhaft zu reagieren.

Das kann gerne so weitergehen...

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