Mär 08 2019

Das hab ich nun davon. Am Mittwoch versprochen, bin ich heute nun auch dran. Ein ziemlich privates Thema. Wen dies von meiner Leserschaft nicht interessiert, den empfehle ich, inzwischen auf „kinoticket-blog.de“ auszuweichen. Ein empfehlenswertes Blog über alles, was Film und Kino heißt.

Für alle anderen meiner Leser weiter im Thema: Wie beantworte ich die Frage „Was wird jetzt?“ Bei mir ist es ja fast zu spät zur Frage „Was wird dann?“ Als Rentenanwärter hab ich mir das wohl überlegt. Da weiß man ja auch lange vorher, wann man in dieses Alter kommt. Ist genauso eine Milchmädchenrechnung wie bei den Kindern, die mal das Heim verlassen. Also macht man sich vorher Gedanken. „Wenn ich Rentner bin, dann... nörgel ich nur noch rum. Das gibt einen Spaß!“ Nein, Spaß beiseite... Als Rentner hat man ein gesichertes Einkommen. Über eine ausreichende Höhe lässt sich streiten. Kommt aber regelmäßig. Als jahrzehntelang Selbständiger ist das etwas, was man so nicht kennt. Da kämpft man um jeden Cent. Keine Arbeit - keine Einnahmen. Krank - keine Einnahmen. Keine Kunden - keine Einnahmen. Es ist ein ständiger Kampf. Und ehrlich will man ja auch noch bleiben dabei. Zum Kunden genauso wie zum Finanzamt. Als Arbeiter oder Angestellter bekommst du regelmäßig Lohn oder Gehalt. Gesicherte Zukunft. Als Selbst-ständiger musst du dich selbst kümmern und lebst ständig von der Hand in den Mund. Der Arbeiter sehnt sich nach der Rente, weil er schimpft über den blöden Chef oder andere „Unbill des Arbeitslebens“, der Unternehmer sehnt sich nach der Rente, weil er schimpft über den täglichen Überlebenskampf.

Die Rente gibt einigermaßen Sicherheit und neue Freiheiten. Man bekommt den Kopf frei für andere Dinge als nur den finanziellen Überlebenskampf. Dann kommen die Träume: „Wenn ich Rentner bin, dann...“ Schlaf ich jeden Morgen aus. Mache ich Reisen. Geh ich jeden Morgen ins Café zum Frühstück. Hab ich endlich Zeit. Kann ich machen, was ich will. Ist für mich jeder Tag wie Sonntag. Geh ich oft spazieren. Kann, wenn ich möchte, noch nebenbei arbeiten und mir noch was dazuverdienen. Muss ich aber nicht. (In Anbetracht der Höhe heutiger Renten ist diese letzte Überlegung wohl eher gnadenlos zusammengeschrumpft auf eine dringende Überlebensnotwendigkeit als nur ein „Ich kann, wenn ich will.“ Die meisten Rentner müssen können, selbst wenn sie nicht wollten.) 

Ich werde das auch können müssen. Sollte kein großes Problem darstellen als Webdesigner. Am PC oder iPad sitzen und arbeiten wird erst dann problematisch, wenn die Augen das nicht mehr wollen. Angedeutet haben sie das zwar schon, aber ich denke, das sind nur zarte Voranmeldungen. Das Gute daran: ich kann mir die Zeit einteilen, wie ich das möchte. So, wie jetzt auch schon, nur dann ohne Zeit- und Gelddruck. Den Rest meiner Zeit hätte ich dann für mich und könnte andere Dinge tun, wann und wo und wie ich was wie oft und wie lange ich nur möchte. 

Hätte. Könnte. Möchte. Spätestens hier kommt der Bühnenauftritt der Dialyse. Die spielt eine der Hauptrollen im Theater des Lebens. Und zwar so relativ plötzlich, dass es für „Was wird dann...?“ so gut wie zu spät ist. Das ist genau wie ein fester Nebenjob. Feste „Arbeitszeiten“, bei denen du nicht einfach mal „blau machen“ kannst oder Urlaub. Gut, daran gewöhnt man sich. Ich auch. Mein Wochenrhythmus hat sich darauf eingespielt. An Dialysetagen ist nachmittags eher Ruhe und Entspannung angesagt, an den Tagen dazwischen kann ich webdesignen oder was anderes tun. Hauptthema wird der Garten sein.  Nach der Dialyse zum Garten. Mit dem Zug. Am übernächsten Tag morgens mit dem Zug wieder zur Dialyse. Ist der Idealfall. Und durchaus machbar.

Für mich steht noch ein anderes Rentner-Thema an: ein Hund. Das Beste für einen regelmäßigen Tagesablauf, für ausreichend Bewegung und für konsequentes morgendliches Aufstehen müssen. (Hast du schon mal versäumt, mit deinem Hund morgens zeitig genug Gassi zu gehen? Ich hatte mal einen zur Pflege für drei Tage und hab es versäumt. Mach ich nie wieder!) Dinge, die komplett FÜR einen Hund sprechen, abgesehen von der sozialen und emotionalen Gesunderhaltung der menschlichen Psyche, die ein Haustier bewirkt. Aber: Was macht der Hund, wenn ich den ganzen Vormittag an Daisy hänge? Daisy mag keine Hunde. Und das Personal hier in der Klinik auch nicht. Die Taxifahrer wohl eher auch nicht. Stell dir vor, hier auf dem Flur oder hinter dem Bett liegt ein Schäferhund oder Golden Retriever... Zuhause in der Wohnung? Was ist, wenn er dort mal...? Bliebe der Garten. Aber da sind noch viel zu viele Fragen offen. Der Hund wird also noch warten müssen. Wie sagte der Fremde, als ihm sein Fahrrad geklaut wurde und er nichts unternehmen wollte?: „Kommt Zeit kommt Rad.“

Gilt für mich auch: Kommt Zeit kommt Rat.

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