Jan 30 2019

Mittwoch

 

Ich bin heute ziemlich geschlaucht. Zum einen ganz wörtlich. Ich habe seit fünf Minuten zwei Schläuche am Arm. Die bleiben bis 12 Uhr da.

Dann habe ich geschrien wie angestochen. Denn beim Stechen der Nadeln hab ich kurz „aua“ gesagt. Die beiden Nadeln mit den besagten Schläuchen bleiben bis 12 Uhr auch da.

Und mit dem Geschlaucht das kann man auch symbolisch verstehen. Meine Stimme hat sich nämlich den Fuß verstaucht. Sie ist über meine verschleimten Bronchien gestolpert. Das fing ganz heimlich still und leise am Sonntag an mit leichtem Halsweh. Die Mandeln. Und dagegen werden sich wohl die Bronchien gewehrt haben. Ob das unter denen abgesprochen war, kann ich nicht sagen. Das Unangenehme daran ist der Husten. 

Dann kommt noch das Attentat mit Ferrlecit am Montag. War wieder ziemlich heftig. Zum Glück wusste ich, was auf mich zukommt und konnte mich entsprechend einstellen. Das Gute daran: mein Transferrin-Wert ist gestiegen. Bringt wohl doch was.

Hier im Raum ist übrigens gerade eine seltsame „Musik“. Alle Maschinen, einschließlich meiner Daisy, beschweren sich über die Konzentrat-Versorgung. Also überall neue Kanister. Nach drei Minuten ist die Musik wieder aus. Die Maschinen sind kleine Sensibelchen. Gut für uns Patienten.

Und heute habe ich Premiere. Zum ersten Mal keine Singleneadle für alle Fälle, sondern zwei ganz normale mit nur einem Anschluss. Bei „alten Hasen“ macht man das so.

Noch eine Neuerung: das UF-Ziel ist statt 700 ab heute 800. 

 

Nach über 14 Wochen Bekanntschaft mit Daisy hat sich vieles schon eingespielt. Über manches denkt man gar nicht mehr nach, es läuft automatisch. Die neuen Paradigmen haben sich gefestigt. Die anfänglichen „Momente“ mit dem Taxi sind komplett verschwunden. Die allmorgendliche Zeremonie läuft wie selbstverständlich. Ein gewisser Tagesrhythmus hat sich eingespielt. Taxi, Zeremonie, Anschließen, Nadeln links, Blutdruckmanschette rechts, dann Tagebuch, danach entweder ne Doku schauen (oder zwei) oder Augen zu und ruhen. Nach 4 Stunden und 15 Minuten Nadeln raus, 20 Minuten Einstichstellen abdrücken, abkleben, wiegen, anziehen, Taxi. Die 4 Stunden, die mir anfangs so lang vorkamen, gehen jetzt manchmal viel zu schnell vorbei. Nur manchmal... da kann es nerven. Zum Beispiel, wenn es am rechten Arm unter der Manschette plötzlich juckt. Mit links unmöglich, da ran zu kommen. Sonst hat man gleich wieder einen bunten Picasso-Arm. Die Schwester fragen: „Hey, kannst mich mal kurz kratzen?“ Hilft also nur warten, bis die Nadeln raus sind...

Auch die Nach-Taxi-Zeit hat sich „einparadigmentiert“: Mittagessen, manchmal erst etwas kochen oder auftauen, Mittagsruhe von 2 bis 3 Stunden, je nach körperlicher Verfassung, danach je nachdem. Groß etwas arbeiten an solchen Tagen ist kaum möglich. Man kann die nachmittägliche Ruhezeit auch ignorieren und unter Strom bleiben, aber das rächt sich dann meist am nächsten, dialysefreien Tag.

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