Montag

(27 x gelesen) im
Juli 20 2020

Montag

Für manche ist der Montag Montag, einfach weil der Montag Montag ist. Für andere ist der Montag Montag, weil das viel zu kurze Wochenende zu Ende ist. Für andere Andere ist der Montag Montag, weil der Alltagswahnsinn wieder wahnsinnig macht.

Und dann gibt es noch den Montag in der Klinik. Speziell in der Dialyse. Speziell bei Knopfloch-Patienten. Ich kann nichts dafür, ich wollte es ja gar nicht erwähnen, aber die Schwester wollte es unbedingt so - und kann es fast nicht erwarten, bis der Beitrag online ist. „Das musst du unbedingt ins Tagebuch schreiben!“

Dann schreib ich es halt. Vielleicht tröstet es ja andere Knopfloch-Patienten, sollte ihnen das auch mal passieren - oder passiert werden...

Nach dem Wochenende und mit gartengegerbter Haut sind die Grind meist schon abgegangen und es ist nur noch ein kleiner roter Punkt zu sehen. Den muss die Schwester dann treffen. Nadel ansetzen, leicht drehen und rein. Geht montags immer etwas schwerer rein, das ist normal. Bei der  unteren Nadel okay. Danach oben. Ich muss der Schwester zugute halten: es war ziemlich dunkel im Raum, der Arm ist auf der fensterabgewandten Seite des Raumes. Und dann ist da knapp neben dem Knopflochpunkt noch ein kleines Grind. Ich hab’s doch auch nicht richtig gesehen. Nadel ansetzen, leicht drehen und - drücken, drehen, Winkel leicht verändern, wieder drücken, drehen, drücken... Sie ist schon halb drin oder noch weiter und es kommt immer noch kein Blut. Eine zweite Schwester kommt zu Hilfe. „Du hast daneben gestochen, da musst jetzt weitermachen.“ Also: mit stumpfer Nadel einen neuen Kanal stechen, so wie man das üblicherweise bei normaler Punktion mit den geil spitzen Nadeln macht. Was soll ich sagen? Es geht auch. Tatsächlich. Man, bzw. die Schwester, muss nur genügend drücken, „denn jeht det Ding schon rinne“. Als sie fast ganz drin ist - plopp und das Blut fließt. Wo’s hin soll natürlich, in den Schlauch. Alles gut. Alles fein. Die Nadel ist drin und es gibt keinerlei Schmerzen oder sonst welche Komplikationen.

Ein früherer Arbeitskollege meinte immer „Ein neuer Tag, ein neues Glück.“ Ich erweitere: „Ein neuer Montag, eine neue Erfahrung mit stumpfen Nadeln neben dem Knopfloch.“

Was mein Wunsch ist für Mittwoch und die anderen Tage, die noch kommen werden?: Stumpfe Nadeln genau ins Knopfloch treffen. Und die Forderung, die auch Goethe hatte auf seinem Sterbebett: „Mehr Licht!“

 

So, nun ist dieses Thema aber genug ausgeschlachtet!

 

Nebenbei wurden heute wieder drei Röhrchen Blut abvampiert für das dreimonatige Blutbild. Ich hab die Ergebnisse seit 2014 zuhause und mir mal insgesamt angeschaut. Von 2014 bis zum Beging der Dialyse sind die Werte bei Kreatinin und Harnstoff kontinuierlich und unbarmherzig gestiegen. Mit Beginn der Daisy-Zeit sind sie kontinuierlich gesunken. Noch weit weg vom Normbereich, aber es ist ein deutlicher Trend zur Besserung zu erkennen. Danke an Daisy, danke an meinen behandelnden Arzt, danke an das Personal hier in der Klinik.

„Danke“ soll auch der Grundtenor für diesen Montag sein - und für den Rest der Woche.

 

Danke!

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