Juli 06 2020

Montag

 

Hermann hat mal wieder reschärschiert.

 

Am Freitag kam (nach coronabedingtem Ausfall) wieder die Zeitschrift „Der Nierenpatient“. Ich hab vor einigen Monaten schon einmal davon bzw. daraus berichtet. Die kann ich jedem/jeder Betroffenen wärmstens empfehlen. Auch wenn das Abo etwas kostet. Aber das sollte man ja als selbstverständlich und normal betrachten. Gut, auf insgesamt 58 Seiten stehen auch viele Beiträge und Berichte, die uns Dialysepatienten nicht unbedingt soooo heiß interessieren. Doch bisher hab ich in jeder Ausgabe etwas gefunden, was mir ein „Wow, cool!“ entlockt hat.

Diesmal, in der Ausgabe Juni 2020, ab Seite 10: „Krea, Phosphat & Co. Laborwerte“. Was man sich beim Arzt (oder ich bei meinem Sohn, der Medizinstudent ist) mühsam erfragen muss und nach 2 Minuten wieder vergessen hat, wird hier ausführlich erklärt, jeweils der gesunde, normale Bereich angegeben und in übersichtlichen Tabellen angezeigt. Einfach hervorragend. Glomeruläre Filtrationsrate eGFR, Hämoglobin Hb, Kalium K, Harnstoff HST, Kreatinin Krea, um nur einige wenige zu nennen. Lesen, gucken, mit den eigenen Werten vergleichen, staunen. Und entsprechend anderer Tabellen oder Büchern (auch davon habe ich schon berichtet) die Ernährung, das Verhalten gegebenenfalls etwas umstellen - und schon ist man auf der sicherereren statt der schwammigen Seite zum allgemeinen Wohlbefinden als Dialytiker.

Unter der Adresse

https://www.bundesverband-niere.de/wp/wp-content/uploads/2019/04/Laborwerte_2016.pdf

kann man die komplette Tabelle auch downloaden.

Diese Zeitschrift gibt es (natürlich) auch online: nierenpatient-online.de. Für Nicht-Abonnenten lediglich mit ausgewählten Artikeln, doch immer noch interessant und lesenswert.

 

Mein Nephrologe (und Lieblingsarzt) war höchst erstaunt, dass ich diese Zeitschrift lese und sogar abonniert habe. „Das habe ich in meiner langjährigen Dienstzeit noch nie erlebt, dass ein Patient diese Zeitschrift liest.“ war sein Kommentar.

Auf der anderen Seite ist es für mich ziemlich erstaunlich und nicht nachvollziehbar, dass es so viele Dialysepatienten gibt in Foren und Chats - und teilweise auch hier in der Klinik - die sich geben, als wäre das Thema Dialyse heute zum ersten mal für sie aufgetreten. Obwohl einige schon jahrelang an der Nadel hängen. Das fängt schon mit dem Verständnis über die Funktionsweise der Nieren an, geht weiter bei der sinnvollen Ernährung und ganz zu schweigen von den oben beschriebenen Labor-Werten. Viele lassen einfach mit sich machen und hoffen, dass alles schon irgendwie gut gehen wird. Dabei kann man (und frau) so viel selbst mit dazu beitragen, dass man (und frau) sich unter den gegebenen Bedingungen und Einschränkungen immer noch relativ wohl fühlt. Als ich wusste, dass die Dialyse unausweichlich kommt, hab ich mich hingesetzt und gesucht und geforscht und gefragt und meinen Arzt gelöchert, um so viel wie möglich zum Thema zu erfahren. Je mehr man weiß, wie was warum funktioniert und welche Zusammenhänge es gibt, desto weniger Angst hat man davor und desto besser ist man dann vorbereitet, wenn der erste Nadelstich kommt.

 

Nicht zuletzt deshalb gibt es dieses Tagebuch...

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