Juni 05 2020

Freitag

 

Inside Dialyse:

„Ich will Blut sehen!“ Knapp 7 Liter hab ich in mir, da kommt’s auf ein bisschen außen drauf auch nicht an. Beim Nadel legen im Knopfloch wird die stumpfe Nadel vorsichtig gedreht beim Einstechen. Und dann, wenn sie das Blut erreicht, wird sie nur noch reingeschoben. Wenn man das aber nicht schnell genug macht oder zu zögerlich, sucht sich das Blut seinen Weg an der Nadel vorbei - und läuft am Arm entlang aufs Bett bzw. die Unterlage. Also noch schnell reingeschoben und schon läuft das Blut dorthin, wo es soll. Alles gut. Gaaaanz ruhig bleiben. Und wir haben beide gelernt. Die Schwester und ich. Für das Personal natürlich wieder ein Grund: „Hermann macht das sowieso bald selber.“ Macht er. Nachdem er noch ein wenig gelernt hat.

 

Outside Dialyse:

Gestern autofreier Tag. (Warum, siehe unter „Montag, 1.6.“). Es funktioniert. Und sogar sehr gut. Statt Garten-Tag war gestern Zug-Tag. Es hat ja so angefangen zu regnen, da wäre das geplante Grillfleisch eher Kochfleisch geworden. Also Zug-Tag. Sogar mit „Guten Tag, die Fahrkarten bitte!“ Hessencard funktioniert. Und ich habe herausgefunden, wenn ich hier zum Baumarkt laufe, sind das 3,2 km hin und zurück. Fahr ich aber nach Gießen zum Baumarkt, sind das 320 m zum Bahnhof und in Gießen 260 m zum Baumarkt. Mit regulären Fahrkarten hätte mich der ganze Tag 19,50 € gekostet. Die Hessencard hab ich einfach so einstecken.

Das ist wieder eine Möglichkeit, mein Rentnerleben zu entschleunigen. Eben nicht mal schnell dahin oder dorthin. Zeit, auf den Zug oder Bus zu warten, gaaaanz ruhig bleiben, in Ruhe alles erledigen, dann zurück. Und wenn man es nicht rechtzeitig schafft, fährt man eben später. Fertig.

Das hat mich früher in Berlin so begeistert. Hat mir mein Sohn beigebracht, als er dort einige Jahre verbrachte. U-Bahn: Du gehst runter. Die Bahn steht schon dort. Du rennst, um sie noch zu kriegen. Zu spät. Vor deiner Nase fährt sie weg. Hättest schneller... Alles Quatsch! Dieselbe Situation mit meinem Sohn: Wir gehen runter. Die Bahn steht schon dort. Er hält mich zurück, als ich rennen möchte. „Dad, gaaaanz ruhig bleiben. Wenn wir unten in der Mitte des Bahnsteigs angekommen sind, kommt die nächste und wir steigen gechillt ein.“ Man erkennt in Berlin sofort, wer Einwohner und wer Tourist ist. Nur die Touristen rennen in der U-Bahn. Seitdem bin ich nie wieder gerannt. Und bin trotzdem immer pünktlich angekommen. Danke, Benni!

Heute funktioniert das auch noch: gaaaanz ruhig bleiben. Hier eben mit der Hessencard.

 

Und in den anderen Bereichen des Lebens auch. Man muss nur erstmal dahinter kommen.

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