Freitag

 

Ich hab’s gewusst. Der Freitag kommt kurz vor dem Wochenende! Und das Wochenende kommt dann viel zu kurz. Von Laubach bis Lich sind es 15 km. Von Lich bis Laubach sind es auch 15 km. Aber nun kommt’s: Von Montag bis Freitag sind es 5 Tage, aber von Freitag bis Montag sind es nur  4 Tage. Nur gut, dass ich Rentner bin. Da ist jeder Tag fast wie Wochenende. So wie gestern. 8 Stunden Garten. Einfach so.

 

Heute gingen beide Nadeln prima rein. Ansetzen, etwas drehen, flutsch, drin. Allerdings hab ich gestern nach dem Duschen den Shunt schön kräftig eingecremt. So ging heute der Grind besser ab und die Haut war weicher. Was haben wir früher als Ernährungscoach gelernt? „Männer haben auch Haut. Sogar im Gesicht. Darum sollte die gepflegt werden,“ Also, was hindert mich daran, meinen Shunt auch etwas zu verwöhnen?

 

Kopfhörer sind heute auch wieder dran. Momentan grad „The Boxer“ von Simon & Garfunkel,  vorher „Don’t cry for me, Argentina!“ Hilft prima gegen Wortschwallüberschwemmung.

 

Allen, die heute zu Ärzten und Untersuchungen müssen, wünsche ich zum Einen genügend Gelassenheit, inneren Frieden und die nötige Ruhe und zum Anderen kompetente und aufmerksame Ärzte/Ärztinnen, die nicht nur „ihre Patienten abhaken“, sondern denen das Wohl ihrer anvertrauten Schützlinge am Herzen liegt. Es gibt so viele Menschen, die sich bei Ärzten und in Krankenhäusern nicht gut aufgehoben fühlen. Ein wenig Reschärsche im Netz und in Chat-Gruppen zeigt, dass es da an vielen Stellen „Nachholebedarf“ gibt. Tut mir Leid, es ist halt so.

 

Doch wieder möchte ich so hier nicht einfach schließen. Ich weiß nicht, warum und ob ich das überhaupt so verdient hab: Seit ich mit meinen Nieren in Behandlung bin, lange vor der Begegnung mit Daisy, werde ich hervorragend betreut. Die Ärzte und -tinnen nehmen sich ausreichend Zeit für mich, gehen auf meine Fragen ein, beantworten sie so, dass ich es auch verstehe, erklären mir bei Behandlungen den Ablauf und was ich auf dem Monitor sehe. Und ich hab den Eindruck, sie wissen tatsächlich, was sie wissen. Bei der wöchentlichen Visite bleibt Herr/Frau Doktor so lange an meinem Bett, bis alle Dinge geklärt, alle Fragen gestellt und beantwortet sind. Und hier bei Daisy das Personal - ja, es klingt wie Honig ums Maul schmieren, aber wer Honig verdient hat, soll ihn auch bekommen - es gibt nichts, was ich bemängeln könnte oder dass ich mir wünschen würde „um Himmels Willen! nicht DIESE Schwester...!“ Klar, es gibt zum Frühstück nun mal kein Schnitzelbrötchen oder ein halbes Brathähnchen, das zählt nicht wirklich als mangelhaft. Ich fühl mich hier aufgehoben, ernst genommen, als Mensch behandelt, nicht nur als leidiger Patient, der nur Arbeit macht und über den Ärzte und Schwestern haushoch erhaben sind.  Es fühlt sich überhaupt nicht an wie Krankenhaus, eher wie Wellness-Hotel. Sogar das Frühstück kommt ans Bett... Dazu kommt, dass durch die Blutwäsche der Körper spürbar entlastet und befreit wird. Mir geht‘s kaum woanders besser als in der Zeit neben Daisy. (Außer natürlich im Garten.) Es ist für mich auch eine Zeit der Abgeschiedenheit, weg von allem Alltagsstress, allen Verpflichtungen und Terminen, jeglichen „irgendwer-will-jetzt-unbedingt-sofort-was-von-mir-nervtötend-Situationen“. Ich bin an Daisy - fertig. Alles andere kann mich mal - am Arm kratzen.

Klar, die „von-alleine-aufgeh-wenn-man-wo-drückt-Tür“, die Flure, die weißen Kittel, die Betten, Maschinen, Geräusche, all das lässt dich in die Realität „Krankenhaus“ zurückgleiten.

 

Aber das empfinde ich mittlerweile fast nur noch unterbewusst. Deshalb bin ich gerne hier.

 

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