Gefühle

(92 x gelesen) im
Mai 13 2020

Mittwoch

 

Heute wieder bei Daisy. Alles wieder gut und nicht mehr anders.

 

Tja, was schreib ich heute? Nein, nicht immer fällt mir gleich was ein. Und nicht immer ist es so interessant, wie es vielleicht sollte (und auch nicht immer so lustig, als von mir gewollt...).

Manchmal spielen die Gefühle mit, das heißt, eigentlich sind die immer dabei, denn ohne geht es ja gar nicht. Doch es gibt Zeiten oder Tage oder Momente, wo man so gut drauf ist, dass diese Gefühle einfach wie nebenbei mitlaufen und mehr unbewußt deine gute Laune und Stimmung beeinflussen oder bewirken. Andererseits gibt es Zeiten oder Tage oder Momente, wo man entweder davonlaufen, in einer Höhle verschwinden, alles zusammenschlagen oder von der Brücke springen möchte. Und manchmal auch alles zusammen bzw. nacheinander.

Gefühle eben. Und weil die zum Leben dazugehören wie der Schnürsenkel zum Schuh, werden sie auch alle diese Tagebucheinträge durchsetzen und sichtbar werden, wie die verkleckerte Tomatensoße auf dem frischen, weißen T-Shirt. Die kriegt man nie wieder raus. Und ich wollte ja immer offen und ehrlich sein. Was nützt es den Mitpatienten, die das hier lesen, so zu tun als ob und ihnen falsche Hoffnungen oder unnötige Ängste zu machen?

Also: auch als Dialytiker geht es einem mal super blendend und manchmal eben auch so richtig Sch...nicht ganz so gut. Weniger wegen der Dialyse, oft eher wegen „draußen“. Es ist so: Zwischen den Dialysezeiten sammeln sich alle Giftstoffe, die dich mit der Zeit töten würden, in deinem Körper und fressen dich förmlich auf - wenn du nix dagegen tust, heißt, wenn du nicht regelmäßig zur Dialyse gehst. Im Leben draußen sammeln sich auch manche „Giftstoffe“ an. Dann empfinde ich persönlich die Zeit mit und neben Daisy als „Aufräumarbeiten nach einem Tsunami“, als Reinigung der Seele. Wenn ich ohne jegliche Belastung, ohne Termindruck, frei von Verpflichtungen, ohne irgendwem irgendwas erklären zu müssen, ohne „wichtige“ Telefonate, ganz für mich allein auf meinem Platz, Ruhe zu haben, sich einfach fallen lassen, ohne irgendwo oder irgendwann unsanft aufzuschlagen und besonders, wenn ich meine Kopfhörer auf hab und die entsprechende Musik höre, so wie jetzt grad Enya, Vangelis, Rieu & Co., dann versinkt die ganze Welt um mich herum und ich darf einfach nur Ich sein. Und ich kann ungestraft träumen von weit entfernten Träumen und Sehnsüchten - die zur Wahrheit werden.

 

Irgendwann, irgendwie...

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