Alles wird gut

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Apr 27 2020

Montag

 

Nix mit stumpfen Nadeln. Es haben zu viele verschiedene Schwestern „daran rumgestochen“. Und wie schon mal gesagt, Schwestern sind wie Autos, jedes ist anders - und jede sticht anders. In eine etwas andere Richtung, in einem etwas anderen Winkel. Und nun muss der Kanal wieder neu „eingestochen“ werden. Wie sagte doch der ehemalige Gefängnisaufseher bei einem Besuch bei dem Graf von Monte Christo? „Bedauerlich, sehr bedauerlich!“ Er spricht mir aus der Seele. Doch was soll’s? Nicht immer läuft alles so, wie es laufen soll. Das gehört eben zum Dialyseleben dazu. Ähnlich wie bei dem, der sich am Kiosk einen "Coffee to Go" kauft, ihn auf den Fußweg stellt und - nachdem der nicht losläuft - behauptet, der Coffee sei kaputt.

 

 

Bis heute Morgen (das ist etwas anderes wie das morgen Heute) 28 Aufrufe meines Beitrages vom Freitag! Wow! Sonst waren immer 8 oder auch mal 10, 11 üblich. Ich begrüße meine neue Leserschaft aus der Facebook-Gruppe!

Ich hoffe immer wieder, ich kann mit meinem Tagebuch nicht nur meine Familie darüber informieren, wie es ihrem Dad geht, so wie es ja ursprünglich geplant war, sondern anderen Betroffenen damit zeigen, dass es durchaus möglich ist, mit Hämodialyse sein Leben zu meistern und sogar zu genießen. Dass es sowohl Tiefen gibt, aber durchaus auch Höhen. Ich bin dabei ehrlich, von meinen Empfindungen zu berichten, auch außerhalb der Krankenhausmauern, denn Dialysepatient ist man nicht nur drei mal die Woche für paar Stunden, sondern 7/24, wie das neudeutsch ausgedrückt wird. Es gibt Gefühlsschwankungen, Mut, Verzweiflung, Hoffen, Bangen - damit muss man zurechtkommen, manchmal mit verschiedenem gleichzeitig. Manchmal vergeht die Zeit wie im Flug - die 5 1/2 Stunden mit Daisy kuscheln, manchmal wähnt man sich in einer Ewigkeit - die 20 Minuten Abdrücken nach dem Kuscheln. Man bringt Eindrücke und Erlebnisse von draußen mit hier her und genauso von hier mit nach draußen. Und oftmals muss man erfahren, dass draußen das keiner versteht, verstehen will oder sich nicht mal dafür interessiert. Dann ist es halt schön zu wissen, dass da noch hunderte andere - allein in Deutschland etwa 80.000 - sich in das gleiche Schicksal schicken müssen. Die alle verstehen dich, fühlen mit dir, wissen, wie es in dir aussieht. Nicht nur in den Nieren sondern auch in der Seele.

Deshalb freue ich mich über jede/n neue/n Leser/in und hoffe, ich kann damit einen kleinen Beitrag leisten zur nüchternen Information aber vor allem zum Mut geben und zum Angst nehmen.

„Der schafft das. Da schaffe ich das auch!“

Und das ist richtig. Du schaffst das!

 

Post scriptum (heißt auf deutsch „Nachtrag“ - obwohl man nicht nachtragend sein sollte - oder „Ups, noch was vergessen“): Für alle, die es noch nicht oder nicht mehr wissen: Das erste Jahr Dialyse-Tagebuch könnt ihr als kostenloses PDF lesen und auch downloaden. Und zwar hier: https://dialyse-tagebuch.info/files/391/dialyse-tagebuch-das-erste-jahr.pdf

 

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