Nah und fern

(111 x gelesen) im
Apr 15 2020

Mittwoch

 

Ostern vorbei, alles wie immer.

Arteriendruck - 165 mm/Hg, Venendruck 195 mm/Hg, Blutdruck 137/78 mm/Hg, Blutfluss 400 ml/min, UF-Ziel 500 + 200 - 500 ml, Behandlungsdauer 5:30 Std, die Schwester kontrolliert grad die Einstellungen an Daisy, das „Vier-Augen-Prinzip“. Im Flur seh ich schon den Frühstückswagen, bald ist es auch bei mir. Drei Brötchenhälften, zwei mit Wurst, eins mit Käse, 1 Wasser, 1 Schorle, 2 Kaffee. Heute gibt es noch französische, luftgetrocknete Salami. Hat mir mein Bettnachbar mitgebracht. Er versorgt mich öfters mal mit solchen Leckerli.

 

Gestern Garten. Fünf Stunden inkl. Pausen. Endlich mal wieder ausgetobt mit Rasen mähen, den Winter wegräumen, reparieren. Und viel gucken und genießen von der „Stechpalmenholzschaukel aus in der warmen Sonne, die Beine hochgelegt. Es gibt viel zu tun. Es gibt viel Zeit dazu. Niemand drängt, keine Hetze, keine Hektik, keine Rechenschaftspflicht.

Ähnlich wie hier neben Daisy. 5 1/2 Stunden die Beine hochgelegt, keine Hetze, keine Hektik, kein Stress. Wären die beiden Nadeln nicht im Arm, könnte man denken, man sitzt im Garten. Sogar das Bett ist bequemer als die alte Stechpalmenholzschaukel. Auch die Geräusche sind hier etwas anders. Statt Vogelgezwitscher meldet sich ab und zu mal eine Maschine mit Dingdong oder Dadüdida oder Pingping. So reden die mit den Schwestern. Das eine heißt „Kommst du mal bitte nachschauen.“ das andere „Ich brauch dich dringend.“ oder auch „Alarm, hier läuft was richtig schief.“ Dementsprechend kommen oder rennen die Schwestern dann. Meist kommen sie aber nur. Rennen tun sie zum Beispiel wie bei mir, als ich mir die Nadel durchgestochen hab. Zum Glück passiert das aber selten.

So, alle angeschlossen, alle frühstücken, einige schauen fern, die Schwestern sitzen am Schreibtisch und haben ein wenig weniger zu tun.

 

Warum heißt das überhaupt Fernsehen? Die Geräte stehen daheim maximal 2-3 Meter vom Sessel entfernt, hier etwa 5-6 Meter. Schon dieses Wort „ent-fernt“ zeigt an, dass es eher nah statt fern ist. Wenn ich zum Beispiel bei der Nachhause-Fahrt aus dem Taxi zum Hoherodskopf schaue, ca. 25 km weit weg, dann ist das eher Fernsehen. Und ich behaupte nebenbei, das ist auch ein wesentlich besseres Programm, was einem da geboten wird. Wer beweist mir das Gegenteil?

 

So, nun noch eine dringende Kundenwebseite bearbeiten und dann die restliche Zeit mit Daisy genießen.

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