Spät

(21 x gelesen) im
Mär 27 2020

Freitag

Heute hat‘s funktioniert.

"Spät kommt Ihr – Doch Ihr kommt! Der weite Weg,

Graf Isolan, entschuldigt Euer Säumen."

um aus Schillers „Wallenstein" zu zitieren. (Es geht das Gerücht um, dass Graf Isolan von Beruf Schneider war, weil er säumte...)

Am Mittwoch dachte ich ja, ich komm drumherum und sie haben meinen Geburtstag einfach vergessen. Hatten sie auch. Aber heute ist Daisy geschmückt. Schöne Geste. Und auch eine schöne Karte dazu. Danke. Was sind schon drei Tage später. Die Glückwünsche haben ja noch 362 Tage Mindesthaltbarkeit. Das sind noch 98,79% des Jahres. Da geht das schon noch.

 

Heute mal wieder ein ganz anderer Gedanke. Kann man merken, ob die Nieren versagen? Werde ich öfters gefragt. Und ich kann mir denken, diese Frage beschäftigt viele. Ich erzähle von meinen Erfahrungen. Den eigenen und denen in meiner Familie. Meine Mutter ist an Nierenversagen gestorben. Da war sie 53 und ich 17. Sie hatte ein fast lebenslanges Hüftleiden, wo niemand so recht wusste, woher es kam. Damals, in den 50ern/60ern und im Osten, war es halt üblich, Schmerztabletten zu nehmen, wenn keine andere Therapie hilft. Und bei viel Schmerzen nimmt man eben viele Schmerzmittel. Und viele Schmerzmittel sind viel Gift für den Körper, besonders für Leber und Nieren, denn die müssen das ganze Zeugs entsorgen. Klar, Schmerzmittel helfen gegen Schmerzen, aber sie helfen mit ihren Substanzen auch genauso sicher, deinen Körper zu vergiften. Doch die Verzweiflung wegen der akuten Schmerzen wiegt schwerer als die irgendwann mal vielleicht kommende Nebenwirkung. Jetzt kümmerst du dich um die Schmerzen, später um die Nebenwirkungen. Und wer hat früher schon an Nebenwirkungen gedacht? Da gibt’s was, das hilft und fertig.

Nicht immer ohne Folgen. Irgendwann ist meine Mutter plötzlich in der Küche zusammengebrochen, fast aus dem Nichts heraus. Krankenwagen, Krankenhaus, Untersuchung. Die Blutwerte waren in schwindelerregenden, astronomischen Höhen. Die Organe, nicht nur die Nieren, sondern auch Herz, Lunge, Leber und was man da sonst noch für lebenswichtige Organe hat, waren dadurch schon soweit zerstört, dass ein Weiterleben nicht mehr möglich war, selbst, wenn man damals bei Dialysemöglichkeit schon soweit gewesen wäre, dass eine Blutwäsche funktioniert hätte. Ca. 3 oder 4 Wochen später war die Beerdigung...

Sie hatte nie Schmerzen in den Nieren. Hatte keinerlei Anzeichen gespürt, dass da was nicht in Ordnung sein könnte. Lediglich der Allgemeinzustand, das Allgemeinbefinden war schon jahrelang im Keller - oder tiefer. Müde, kraftlos, lustlos, erschöpft. Und jeder dachte: Naja, das kommt wegen der Hüfte.

In den Nieren gibt es keine Nerven, ähnlich wie auch im Darm und anderswo, die Schmerzen signalisieren könnten. Du spürst sie einfach nicht. Aber weil dein Körper langsam von den Abfällen, die nicht mehr ausreichend genug abtransportiert werden, vergiftet wird, wird er natürlich belastet. Und je mehr Gift, desto mehr Belastung. Und je mehr Belastung, desto mehr Stresshormone, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Lustlosigkeit, Gereiztheit, Appetitlosigkeit bis hin zu Depressionen. Ja, daran wird akute Nierenindifferenz sichtbar. Aber ehe du in diesem Zustand an kaputte Nieren denkst, vermutest du zu wenig oder zu schlechten Schlaf, Überbelastung in Beruf oder daheim, Magenprobleme und was sonst noch alles. An Nieren hab ich überhaupt nicht gedacht. Das hat mir erst der Arzt beibringen müssen. Danke an dieser Stelle an meinen damaligen Hausarzt, der meinen Zustand verdächtig fand und mich an einen Nephrologen überwiesen hat. Und selbst dann hab ich das noch nicht wirklich begriffen. „Noch 50% Nierenleistung“. Was heißt das für jemand, der sich doch noch ganz fit fühlt? Wie es dann weiter ging, hab ich schon mal geschrieben hier. Ich hatte bis zum Dialysebeginn nicht einen einzigen klitzekleinen Schmerz in den Nieren. Ich hab mich nur je länger, desto mehr immer besch....eidener gefühlt bis ich dann am Ende fast neben mir stand - und mein Arzt meinte: „Noch ein paar Tage und Sie wären irgendwo zusammengebrochen.“ Erinnert mich irgendwie an meine Mutter damals... vielleicht sogar auch in der Küche.

Die einzig sichere Methode, Nierenversagen festzustellen, ist eine Blutuntersuchung. Und da eben nicht nur so eine 0815, sondern speziell mit Nierenwerten, Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure usw. Fragt euren Arzt danach, der sollte das wissen.

Und doch möchte ich auf ein Symptom hinweisen, das mir jetzt im Nachhinein, nach 17 Monaten Dialyse, auffällt. Ich habe, lange bevor ich von den kranken Nieren wusste, ein seltsames, unangenehmes, leichtes Kribbeln an der Oberseite meiner Zehen gespürt. Und zwar immer nur, wenn ich im Bett auf dem Bauch lag  und die Zehen dabei auf dem Laken. Das wurde mit den Jahren immer unangenehmer und ich konnte nie einordnen, woher das kommt. Heute ist das immer noch und zwar wesentlich stärker. Ich spüre das fast den ganzen Tag. Manchmal hab ich dabei das Gefühl, als würden die Zehen „einschlafen“. Mittlerweile hab ich mich dran gewöhnt und steuer gegen mit Zehengymnastik und Bewegung. Das stört mich jetzt nicht mehr unbedingt. Man kann das auch nachlesen, dass dieses „Ameisenkrabbeln“ ein Symptom bei Niereninsuffizienz ist.

Solltest du also ähnliche Gefühle in den Zehen haben, dann nimm das durchaus etwas ernster. Hat vielleicht andere Ursachen. Kann aber auch von den Nieren kommen. Doch es kann dabei bis zum Ausfall der Durchblutung kommen, ohne dir jetzt Angst machen zu wollen. Seh es locker und hör einfach in deinen Körper rein, was er dir erzählen möchte.

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