Gewonnen!

(114 x gelesen) im
Mär 23 2020

Montag

Ein wunderschönes Gefühl. Wieder neben der Freundin liegen. Mit ihr ist wieder alles in Ordnung, sie hat die Krise (oder war es eine Panikattacke?) überwunden. Dabei hatte nur die Steckdose keinen Strom. Oft ist es nur eine Kleinigkeit oder überhaupt nichts Greifbares, was uns in Panik versetzt. Da fällt mir diese Geschichte ein: Mittelalter, eine Stadt, die Pest wütet, sie steht vor der Stadt und begehrt Einlass. Der Bürgermeister ging hinaus und wollte mit ihr verhandeln. „Kannst du uns nicht verschonen? Du hast doch in den anderen Städten schon so viele Opfer verlangt.“ „Nein“ erwiderte die Pest, „ich muss auch durch deine Stadt.“ „Dann sei doch barmherzig und nimm dir bitte nur 2000 Opfer.“ „Gut, abgemacht“ antwortete die Pest und kam in die Stadt. Nach einer Woche verlies sie die Stadt und es gab 6000 Tote. Zornig lief der Bürgermeister der Pest hinterher. „Du hattest versprochen, nur 2000 Menschen zu töten und nun hast du 6000 getötet!“. „Das stimmt nicht“, sagte traurig die Pest, „ich habe mein Versprechen gehalten und nur 2000 Opfer gefordert. Die anderen 4000 sind nicht an der Pest, sondern an ihrer eigenen Angst gestorben.“

Das ist ähnlich wie mit dem Geschützturm. Und das schreibe ich jetzt nicht für dich. Für die anderen, ja, die betrifft es. Dich betrifft es nicht und du möchtest oder „musst“ alleine damit fertig werden. Also überflieg das jetzt und les erst unten weiter. Der Geschützturm, 100.000 Tonnen Beton (das sind 100 Millionen Kilo!!!!), 10.000 Tonnen Stahl. Mauern mit einer Dicke von bis zu 2,6 m und der oberen Decke von 3,8m! Bei Menschen, die solche Angstmauern um sich aufgebaut haben - oder um sie aufgebaut wurden - hat man (fast) keine Chance, sie daraus zu befreien. Die einzige Möglichkeit ist die, dass sie sich selber von drinnen heraus wagen. Es gibt Türen. Aber die kann man nur von innen öffnen. Trau dich, nimm dir den Mut, die Tür zu öffnen. Der Krieg ist vorbei, die Welt rundherum blüht. Viele Menschen nennen das nicht "Geschützturm", sondern einfach "Schneckenhaus", doch hier sind die Mauern auch so dick, egal, wie man (oder frau) es nennt.

Vieles von dem, was wir als Wahrheit annehmen und akzeptieren, ist entweder anders, völlig anders oder überhaupt nicht real. Auch dazu eine Geschichte. Diesmal eine, die tatsächlich passierte. Ein Mann arbeitet in einer Lagerhalle. Kurz vor Feierabend sperrt er sich aus Versehen selber in einem leeren Kühlraum ein. Alles Rufen und Bemerkbar machen hilft nichts. Er registriert, dass er bis zum nächsten Morgen hier eingesperrt sein wird. In einem Kühlraum! Bei bis zu 24 Grad minus! Er nur normal bekleidet! Das kann nicht lange gut gehen! Er bekommt Angst, die sich schnell in Panik verwandelt. Er beginnt zu frieren... Am nächsten Morgen finden ihn seine Kollegen. Er liegt in der Ecke und ist erfroren, mit deutlichen Spuren von Erfrierungen am ganzen Körper. Das Traurige an der Geschichte? Der Kühlraum war nicht auf Kühlbetrieb geschaltet. Es waren Plusgrade in dem Raum.

Es gibt viele solcher Geschichten. Nicht alle so dramatisch wie diese, aber immer war es lediglich die Einbildung der betreffenden Person, die Dinge bewirkt hat, die physikalisch-wissenschaftlich völlig unmöglich sind - und trotzdem passiert sind.

Du hast eine nahezu unendliche Möglichkeit, allein mit deinen Gedanken und deiner Vorstellungskraft Dinge zustande zu bringen und dein Leben entsprechend zu gestalten.

 

Die Praxis? Meine unumstößliche Tatsache ist die Dialysepflicht. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Sie knabbert nicht mal dran. Bedeutet: Reisebeschränkung. Maximal ein verlängertes Wochenende von maximal Donnerstag Nachmittag bis Sonntag Abend, wenn ich so gute Werte hab bei Daisy, dass ich die Freitag-Schicht auf Donnerstag vorverlegen kann. Montag Morgen ist dann aber wieder höchste Eisenbahn, bei Daisy anzutanzen, sonst wird es eng für mich.

Da wäre die schon lange geplante Reise bis zum Rasthof „Landzeit“ Aisterheim an der A8 in Österreich noch möglich. Donnerstag hin, Sonntag Nachmittag zurück. Diese Reise werde ich machen, kein Thema, kein Weg geht daran vorbei. Auch da hat die Maus an dem Faden nichts zu tun. Aaaaaber...

Es gibt da die „Sylvia-Panzió“ bei Tatabánya, etwa 80 km vor Budapest. Hab ich vorgestern beim - beim Fernseher nennt man das „Zappen“ - auf GoogleMaps wiederentdeckt. Es gibt sie noch! Meine Panzió! Kleiner Parkplatz an der M1, mit Tankstelle daneben, etwas zurückgesetzt unter einer Baumgruppe. Es gab keine einzige Tour, an der ich nicht dort eingekehrt bin. Manchmal sogar auch auf der Rückfahrt. Es war da ein Schleichweg unter der Autobahn, auf dem man auch mit dem MAN auf die andere Seite und wieder zurück wechseln konnte. Die EMMA geparkt, mit den Zigeunern einen Festpreis für’s LKW-Waschen vereinbart und rüber zur Panzió. Dort lief das dann so: In den Gastraum - durch den Gastraum quer durch, dabei ein gegenseitiges „Jó napot - jó napot ís!“ - in die Toilette, was nach 4 Std Fahrt immer dringend nötig war. Als ich nach wenigen Minuten wieder in den Gastraum komme, steht auf dem Tisch am Fenster, auf dem rechten Platz mein „Duplo-Tee“, eine Spezialität des Hauses extra für mich: eine Suppenterrine mit zwei Beuteln Lipton-Tee schwarz, daneben Zucker und ein Kännchen Milch. „Fekete tea cukorral és tejjel“ heißt das. Setzen, Zucker und Milch rein, umrühren, trinken. Und schon steht der Chef des Hauses neben mir und möchte wissen, was ich essen möchte. Er hätte sich das aber auch ersparen können, er weiß doch, was ich esse. „Rumpsteak, sok fokhagymával és rizzsel“ Rumpsteak, mit viel Knoblauch und Reis. Ein Gedicht. Eine Komposition aus geschmacksexplodierenden Genüssen. Ich hab das ausnahmslos immer gegessen. Wenn er dann in der Küche verschwunden ist und ich gehört hab, wie seine Frau das frische Steakfleisch klopft, die Bratgerüche sich schon mal über die Wildwest-Saloon-Schwingtür zu mir schlichen, dann der frisch gepresste Knoblauch.... Peng!

Eines Tages war ich mit einem meiner Kinder unterwegs und natürlich auch in der Panzió. Ich wollte mal was anderes von der Speisekarte probieren. Ich hab gewählt, dem Wirt gezeigt und er? Schüttelt mit dem Kopf und meint „nem jól!“ (nicht gut!). Ich wähle etwas anderes. „Nem jól!“ Ich frag ihn: „Mi a jó?“ (Was ist denn gut?) Er ganz trocken: „Rumpsteak, sok fokhagymával és rizzsel“. Ich hab dort nie wieder was anderes gegessen - und es nie bereut.

Ja, da möchte ich auch mal wieder hin. Egal, ob es dort noch „Rumpsteak, sok fokhagymával és rizzsel“ gibt oder nicht. Für diese Reise würde ich mir dann eine Woche oder länger Zeit nehmen, es gibt dort viel zu sehen. Den Ort Hódmeszövársahelykutasipuzsta besuchen oder bei Tatabánya hoch zu der großen Adlerfigur klettern, die ich immer nur von der Autobahn unten sehen konnte, durch die kilometerlangen Sonnenblumenfelder streifen und so weiter. Geht aber nicht mit meinen alles vernichtenden Tatsachen. Geht aber doch - mit einer Ersatzniere oder noch besser mit meinen eigenen gesunden Nieren. „Völlig unmöglich, ausgeschlossen, bild dir nichts ein, Spinner, Träumer, Phantast, Dad!“ Ja, vielleicht mögt ihr ja Recht behalten. Und wenn ICH Recht habe und euch von dort ne Karte schreibe? Und wenn ich nicht Recht habe? Dann habe ich wenigstens lange Zeit ein unheimlich gutes Gefühl in mir, das mich glücklich macht und Glückshormone ausschüttet, die mein Immunsystem stärken und mich zumindest gesünder machen, als ich es jetzt bin.

 

Gewonnen hab ich dadurch immer. So oder so.

Kommentar 0
blockHeaderEditIcon
blockHeaderEditIcon
blockHeaderEditIcon
blockHeaderEditIcon
blockHeaderEditIcon
blockHeaderEditIcon
Benutzername:
User-Login
Ihr E-Mail
Kein Problem. Geben Sie hier Ihre E-Mail-Adresse ein, mit der Sie sich registriert haben.
*