Mär 16 2020

Montag

 

Heute schreibe ich etwas bedrückt oder betrübt - oder gelähmt...?

Alles und Jede/r dreht sich um Corona. Dabei geht das weit über alle vernünftigen und durchaus angebrachten Vorsichtsmaßnahmen und Hygiene-Standards hinaus. Ja, man sollte sich schützen, mehr als vor einer Grippe, ja man sollte sich öfters die Hände waschen und, wo möglich, auch desinfizieren, ja, man sollte Sozialkontakte und Händeschütteln und Umarmungen vermeiden, ja, man sollte sich nicht anhusten lassen und auch selbst niemanden anhusten und ja, man sollte einfach vorsichtiger und umsichtiger damit umgehen. Es ist wohl mehr als nur eine Blabla-Grippe.

Was mich jedoch an dieser ganzen Problematik so betrübt macht, ist die panische Angst, die ein Großteil der Bevölkerung hat - oder vielleicht unbewusst durch die Medien noch geschürt wird - und die sie dadurch lähmt und unfähig macht, rationelle Entscheidungen zu treffen und vernünftig zu denken und entsprechend zu handeln.

Ich gehöre eindeutig zur Risiko-Gruppe: Ich bin über 65 (nächste Woche offiziell 66), ich habe Bluthochdruck, ich bin dialysepflichtig, wodurch mein Immunsystem massiv geschwächt ist, ich bin dreimal pro Woche für 6 Stunden in einem Raum zusammen mit ebenfalls zur Risiko-Gruppe gehörenden Patienten, die oft noch weitere Risikofaktoren wie Diabetes und anderes mitbringen, ich werde dreimal pro Woche mit zwei Nadeln gestochen bis ins Blut, ich fühle mich nach der Dialyse oft geschwächt und erschöpft, ich war letzte Woche auf ziemlich engem Raum in der Uniklinik mit alles Kranken in Wartezimmern gesessen, ohne zwei Meter Sicherheitsabstand halten zu können, ich hatte dort und habe hier bei der Dialyse engen Kontakt mit dem Personal, die den ganzen Tag mit Patienten umgehen, ohne die vorher geprüft zu haben, ob sie das Virus in sich tragen oder nicht und sich eventuell ebenfalls angesteckt haben könnten, ich sitze in Taxis (auf dem Beifahrersitz), in denen fast nur Risiko-Leute (zur Dialyse) gefahren werden (auf dem Beifahrersitz), hab Kontakt mit den Taxi-Fahrern, die diese Leute fahren.

Wie kann ich mich wirksam schützen? Für mich gilt kein „Sozialkontakte vermeiden“. Ich kann nicht einfach zuhause bleiben oder von zuhause arbeiten. Klar, könnte ich schon. Für maximal zwei Wochen, aber dann wäre das Corona-Problem bei mir sowieso vom Tisch. Ex und hopp, ganz ohne Corona. Ich MUSS also mit all diesen Risiken leben.

ABER ich kann mich trotzdem schützen. Ganz massiv und ganz wirksam: indem ich die Angst davor nicht zulasse. Das Risiko ist da, ja, aber ich starre es nicht gelähmt an. Angst macht krank, das ist schon hundertfach wissenschaftlich-medizinisch bewiesen. Wenn ich also vor einem Krankheitsfeind noch Angst entwickele, öffne ich doch damit, dass in meinem Körper dadurch bestimmte Botenstoffe ausgeschüttet werden, dieser Krankheit noch Tür und Tor, die nur darauf wartet, so einfach in meinem Körper die Oberhand zu gewinnen. Das Immunsystem wird noch mehr belastet, weil es jetzt zusätzlich noch gegen die Angst-Botenstoffe vorgehen muss. Und von Kriegen wissen wir, dass Kämpfe an verschiedenen Fronten häufig zu erschütternden Niederlagen führen.

Ich stärke mein Immunsystem, indem ich mir gute Gedanken gönne, mein Leben bewusst genieße, dankbar bin für alles, was ich bin und habe und noch kann. Ich lasse einfach der Angst keinen Raum in mir. Vielleicht habe ich ja den Vorteil, dass ich als Christ weiß, dass es bei Weitem nicht nur an mir liegt, ob, wie und wie lange ich noch lebe. Unzählige Momente in meinem Leben haben mich das gelehrt, zum Teil hab ich in diesem Tagebuch davon berichtet.

 

„Ja,wart‘s nur ab. Steck dich an und hab einen schlimmen Verlauf, dann wirst du hier völlig anders rumheulen, wenn du auf ner Intensiv liegst.“

 

Wirklich?

Kommentar 0
blockHeaderEditIcon
blockHeaderEditIcon
blockHeaderEditIcon
blockHeaderEditIcon
blockHeaderEditIcon
blockHeaderEditIcon
Benutzername:
User-Login
Ihr E-Mail
Kein Problem. Geben Sie hier Ihre E-Mail-Adresse ein, mit der Sie sich registriert haben.
*