Veränderungen

(115 x gelesen) im
Feb 05 2020

Mittwoch

 

Beide Nadeln fanden heute ihren Weg in die Vene mitten durch „Neuland“, wo alle Nerven noch intakt waren. Waren. Jetzt nicht mehr. Zweimal Aua.

Hatte ich schon mal erwähnt, dass ich ab und zu auch selbst in dem Tagebuch lese? Gestern auch wieder. Die ersten 40 Seiten. Was ich da alles geschrieben hab! Die ganzen Eindrücke und Empfindungen. Alles neu und ungewohnt. Und was sich inzwischen alles geändert hat! Aber so ist das Leben. Veränderung, Umgewöhnung, Neues lernen, sich an Neues gewöhnen, mit ständig wechselnden Umständen klarkommen müssen, neue Leute und neue Freundinnen kennenlernen.

Die Taxi-Fahrten haben sich eingespielt. Morgens pünktlich, mittags pünktlich, keine Sammeltransporte mehr, keine „Momente“ mehr. Bis auf Ausnahmen natürlich, aber die gehören überall dazu.

Morgens vor dem Start kein „Caro“, sondern nur ein Schluck Wasser zu den Medis, dafür hier in der Klinik ein Kaffee, ein Wasser, eine Schorle, von zwei halben Brötchen über sechs halbe bis drei halbe, von „die Wurst ist viel zu salzig“ bis „naja, es geht schon“, von nur ein Wasser über drei Kaffee bis Kaffee, Wasser, Schorle, von einer Singleneedle zu zwei „Needln“, von zwei Stunden Kuschelzeit mit Daisy über sechs zu fünfeinhalb Stunden, von 500 ml Wasserentzug über 1,2 Liter wieder auf 500 ml, von 200 ml Blutfluss/min auf regelmäßig 400 ml. Hab ich was vergessen? Sicher.

Was noch erwähnenswert ist: mein Allgemeinbefinden. Kurz vor dem Dialyse-Beginn meinst du, es geht nicht mehr, da ist keine Kraft, kein Schwung, keine Lust, nur Müdigkeit und Erschöpfung, du siehst schlecht aus - und es fällt dir nicht auf - und fühlst dich allgemein auch schlecht - und es fällt dir auch nicht auf, weil du dich über die Jahre schleichend dran gewöhnt hast und inzwischen der Meinung warst, das sei normal. Dann heißt es, nach etwa 4-6 Wochen merkst du eine Besserung. Jetzt, nach fast 70 Wochen ist diese Besserung tatsächlich da und du kannst gar nicht genau sagen, wie und wann das passiert ist. Wohl genauso „schleichend“ und still und klammheimlich, wie die Krankheit gekommen ist, bekommst du sie langsam in den Griff. Das geht aber meiner Meinung nach nur, wenn diese grundsätzlich positive Einstellung die Oberhand behält. Ansonsten sähe es wohl schlecht aus im Spechthaus.

Der Tagesrhythmus ist auch zur Gewohnheit geworden. Kein Thema mehr. Dreimal die Woche hier, viermal die Woche zuhause. (Drei plus vier ist sieben - stimmt!)

An was ich mich immer noch jedesmal „gewöhnen“ muss, sind die Nadeln. Die sind manchmal richtig eklig. Aber zum Glück nur manchmal.

Wenn man mein Tagebuch regelmäßig liest, kann es auffallen, dass ich mich bei Manchem wiederhole. Witze zum Beispiel, die mir plötzlich einfallen, können mehrmals erscheinen. Aber steter Tropfen höhlt den Stein. Die meisten Menschen können sich Witze nicht merken. So sind Wiederholungen also eine Gedächtnisstütze. Und wer es langweilig findet, der muss halt damit klarkommen.

Dafür gibt es heute meinen „Frühstückstisch“.

Fällt es jemandem auf, dass ich dreimal die Woche nach dem Frühstück den Löffel abgeben kann?

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