Warum...

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Jan 27 2020

Montag

 

„In des Hirten Arm und Schoß, Amen, ja mein Glück ist groß.“ So stand es auf dem Grabstein meines Bruders Johannes. Zwei Jahre vor mir geboren und schon nach einigen Wochen gestorben.

„Johanna Klob, geb. 05.12.1994, gest. 24.04.1995“. So stand es auf dem schlichten Holzkreuz meiner Tochter Johanna.

Gewisse Parallelen sind nicht zu leugnen. Auch, dass ihr Glück groß war - und ist. Zwei Monate ein glückliches, unbeschwertes Babydasein. Dann eine anfänglich diagnostizierte Erkältung, die sich schon am nächsten Tag als Meningitis entpuppte, die unter anderem grausame Kopfschmerzen verursacht. Deshalb fiel sie auch nach einigen Stunden ins Koma - und wachte davon die nächsten zwei Monate (= gefühlte zwei Jahre) nicht wieder auf. Und dann war ihr Leben fertig. Amen, ja ihr Glück ist groß.

Letztes Wochenende hab ich sie beneidet, meine Tochter. Ein paar Stunden Schmerzen, dann nichts mehr spüren, dann die Erlösung.

„Warum spielt das Lebenstheater oft so viel Sch...?“ fragte mich neulich jemand. Ja, warum? Warum kann es nicht so einfach sein wie bei meiner Tochter? Ich hab mir am Samstag, als es dann einfach zu viel war, die Kopfhörer aufgesetzt und zweieinhalb Stunden lang Musik voll aufgedreht. Ich glaub, ich hätt sonst durchgedreht. Danach ging es mir etwas besser. Etwas. Doch die Lebensrealitäten bleiben, die Magenschmerzen seitdem auch. Und der angestiegene Blutdruck auch. Manchmal ist es etwas ruhiger und freundlicher, doch dann trifft es dich wieder mit voller Wucht. Und dann wünschst du dir das Glück deiner eigenen Tochter...

Was mich hält und mir noch Lebensmut gibt, ist die Existenz meiner geliebten Freundin und ihre zärtliche Zuneigung zu mir, die gewisse gegenseitige Sympathie, die nicht auszuschließen ist. Doch ihr geht es auch nicht so besonders und das tut dann wieder weh...

Trotz Kaliumwert 4,6 und Hb 12,4, worüber ich eigentlich dankbar sein sollte. Heute war auch wieder große Blutabnahme. Was heißt groß? Drei Röhrchen, keine 14 oder so wie damals in der Klinik. Ich bin gespannt, wie sich die anderen Werte entwickelt haben in den letzten drei Monaten.

Und nein, ich bin nicht immer zuversichtlich und positiv und hab das mit der Dialyse voll im Griff. Und mein Humor-Modus ist sowieso noch stark angeschlagen, auch wenn das äußerlich nicht so erkennbar ist. Irgendwann ist es einfach zu viel. Es gibt Zeiten, wo nicht nur der Tank leer ist, sondern auch die Reserven. Wenn das beim Diesel passiert, ist es sehr aufwändig, das ganze System zu entlüften, bevor er überhaupt wieder anspringt...

... ...

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