Auslaufmodell

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Dez 04 2019

Mittwoch

Heute ist die Station geschmückt. Weihnachtsbaum, Sterne, Tannengrün, Lichterkette am Fenster, Weihnachtsfiguren überall. Nur ein kleiner Nikolaus war wohl nicht brav und hatte Pech: den haben sie an der Wand aufgehängt... Sieht gemütlich aus. Außer der hingerichtete Nikolaus.

Das läuft hier so: Tupfer drauf, Nadeln raus, 20 Minuten Abdrücken, Tupfer wechseln, Pflaster drauf, fertig. Normalerweise. Das hält bis irgendwann Nachmittag zuhause, wird vorsichtig komplett abgemacht, ist dann meist auch dicht, nur manchmal kommt ein Tröpfchen Blut, dann hilft ein kleines Pflaster und man kann die Sache vergessen.

Außer, man ist ein Auslaufmodell. Ist mir ja schon mal passiert. Nachdem die Pflaster drauf waren, meinte die eine Einstichstelle, sie müsste doch wieder bluten. Gedacht, getan. Blut am Tupfer, Blut am Arm, Blut am Tshirt, Blut am Laken, Blut auf dem Fußboden. Sieht gefäääääährlich aus. Ist es aber nicht. Ist nur Blut. Wenn man sich in den Finger schneidet, blutet es auch.

Die letzten Tage hab ich relativ wenig getrunken. Maximal 1,5 Liter. Das ist für mich zu wenig gewesen. Am Montag mit den nur 100ml abziehen hab ich mich ziemlich geschlaucht gefühlt. Und es hat wieder gejuckt. So war es in meinem früheren Leben noch ohne Dialyse. Da hab ich permanent zu wenig getrunken, dafür hat es permanent gejuckt. Ein Zusammenhang, den ich damals noch nicht erkannte. Besonders in der kalten Jahreszeit. Es war manchmal zum Verzweifeln - und zum Zerkratzen. Viele Jahre lang. Doch seit ich auf meine Trinkmenge achte - und das sind mindestens zwei Liter täglich - hat sich das fast schlagartig geändert. Nur, wenn ich mal wieder zu wenig trinke, meldet sich das Problem. Aber jetzt weiß ich, wie ich dem begegne. Natürlich kann ich mir es auch „leisten“, soviel zu trinken, wie ich möchte. Meine Ausscheidung funktioniert ja noch (oder wieder?) zu 100%. Wer zu wenig Ausscheidung hat und das dann die Maschine übernehmen muss, sollte damit vorsichtiger sein. Und das ist dann nicht mehr so einfach.

Genießen wir es, solange wir es können.

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