Nov 25 2019

Montag

 

Ein bewegtes Wochenende liegt hinter mir. Es liegt, weil es sich kaum mehr auf den Beinen halten konnte. War ziemlich krass. Weil Papa „endlich allein zu Haus“ ist, hat man (eigentlich frau und zwar meine) die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen - alles „zum Wohle des Volkes“ natürlich (ich bin in diesem Fall das Volk) - ernsthaft über einen Hausnotruf nachzudenken. Und nicht nur das. Aus Gedanken werden Taten. Aus Taten werden Konsequenzen. Und aus Konsequenzen werden Tatsachen. Und ich muss damit leben. Mit allem, was damit zusammenhängt oder folgt. Nun ist diese Gedankenentwicklung ja gar nicht so schlecht (zum Wohle des Volkes) und bietet letztlich Sicherheit. Ist ja nicht so, dass man dann plötzlich bettlägerig ist oder völlig hilflos und jeden Tag klingeln muss. Ist nur für den „wenn-dann-aber-wirklich-mal-was-ist-hast-du-es-und-sie-kommen-dir-helfen“-Fall. Und so, wie beim Kreuzworträtsel (oder beim Ehekrach) ein Wort das andere ergibt, bleibt es beim Hausnotruf-Gedanken-zu-Tatsachen-werden eben auch weitreichendere Überlegungen. Und nicht nur das. Aus Überlegungen werden Taten. Aus Taten werden Konsequenzen. Und aus Konsequenzen werden Tatsachen. Und ich muss damit leben. Mit allem, was damit zusammenhängt oder folgt. Was folgt? Der Pflegedienst, der hier gleich um die Ecke dann meinen Notruf empfängt und angeflitzt kommt, meinte, es wäre sinnvoll, in diesem Zusammenhang auch über die Beantragung eines Pflegegrades nachzudenken. Und nicht nur das. Aus Gedanken..., aber das hatten wir schon. Also auch das noch angeleiert. Mit dem Ergebnis, dass jemand kommt und nachschaut, was ich noch so auf dem Kasten hab und was schon vom Kasten verschwunden ist. Bei einem unverbindlichen Selbsttest über „pflege.de“ fehlt nicht viel bis zum Pflegegrad 2. Ja, Augen und Mund aufreiß! Mir geht es bei der ganzen Gedankengängerei auch so: Man, bist du schon so fertig und kaputt? Hausnotruf, Pflegestufe, Überlegungen, ob nicht ein Gehstock praktisch wäre (zum Gehen, nicht nur zum Drohen gegen randalierende Jugendliche) oder gar ein „Rentner-Minicar“, also Rollator. Dann ist da ja der Schwerbehinderten-Ausweis 100 auch noch. Man könnte sich also richtig abgewrackt vorkommen.

Wenn da nicht immer meine positive Einstellung dazwischen käme... Das wirkt sich zum Beispiel so aus: Ich sitze am Tisch und bin beschäftigt. „Schatz (so nenne ich meine Frau, meine Freundin nenne ich „Mädchen“), ich bekomme Hausnotruf, ein Pflegegrad ist beantragt, ich bin schwerbehindert und Dialysepatient und brauche bald einen Gehstock. Bringst du mir bitte einen Kaffee mit Milch und drei Zucker und dazu zwei Stückchen Weihnachtsstollen? Ich möchte in meinem Zustand nicht extra deshalb aufstehen.“ Drei Minuten später steht alles neben mir auf dem Tisch. Ohne Protest. Geil. Oder beim Kartenspiel: Ich gebe. Drei mal 10 Karten. Ich hab mich verzählt. Man hat Nachsicht mit mir. Kommentar: „Naja, ist verständlich. Du bekommst Hausnotruf, ein Pflegegrad ist beantragt, du bist schwerbehindert und Dialysepatient und brauchst bald einen Gehstock. Zähl einfach nochmal nach...“ Wie heißt es so schön? „Wer den Schaden hat... muss die Suppe mit der Axt, wenn er in die Grube fällt, selbst auslöffeln.“ (oder so...) Das Leben hat eben nicht nur Nachteile - es hat auch schlechte Seiten.

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