Damals war‘s

(538 x gelesen) im
Okt 23 2019

Mittwoch

 

„Weißt du noch,“ fragte die Eintagsfliege, „damals, vor fünf Minuten...?“

„Wißt ihr noch,“ fragte der Dialysepatient, „damals, vor einem Jahr, .... als ich mit der Dialyse begonnen habe?“

Genau so ist es. Gestern vor einem Jahr. Montag, 22.10.2018, erster Tag Dialyse, im Bett schräg gegenüber, 2 Stunden. Dienstag, zweiter Tag, schon an meinem Platz bei Daisy (die hieß damals noch gar nicht so), 3 Stunden. Mittwoch, dritter Tag, 4 Stunden, ab da regelmäßig so weiter und so weiter und so weiter. Später, viel später 5 Stunden, dann 6 und nun aktuell 5 1/2. Am 04.11. hab ich dann begonnen, mein Tagebuch zu veröffentlichen und dies hier ist der 165. Beitrag. (Es gibt mit Sicherheit Leser, die das jetzt nachzählen. Bitteschön...)

Ein Jahr = 52 Wochen, 3 mal pro Woche = 52x3=156, je zwei Nadeln = 312, minus ca. 4 Wochen nur eine Singleneedle = 300 Einstiche in meinen linken Arm. Wer bietet mehr?

So schaut der Arm heute Morgen aus. Rechts die OP-Narbe vom Shunt, da, wo die Vene mit der Arterie verbunden wurde. Oben die arterielle Einstichstelle, links in Armmitte die venöse Stelle.


 

Es gab natürlich in dieser Zeit auch 156 mal Frühstück. Erst zwei, dann vier, dann sechs Brötchenhälften. Wer bietet mehr? Da ich aber nicht mehr weiß, ab wann ich wieviele gegessen hab, ist es nicht mehr möglich, die Gesamtzahl zu berechnen. Ist aber schon ein ganz gewaltiger Berg.

 

Jetzt könnten weitere Statistiken kommen. Blutmenge, die durch Daisy lief, Zeit, die ich hier mit ihr verbracht hab, Eisen und Epo, mit dem ich gedopt wurde, Liter an Wasser und Kaffee, die ich verbraucht hab, Schwestern, die kamen und gingen, Patienten, die nie wiederkamen und auch nie wiederkommen... Es war insgesamt eine bewegende und interessante Zeit. Viel gelernt, mit vielen neuen Dingen zurechtkommen (müssen), das Leben mehr oder weniger komplett neu ordnen (müssen), mit Einschränkungen leben lernen, viele Prioritäten neu setzen, den eigenen Körper völlig anders beobachten und einschätzen lernen. Und und und.

Ein Jahr. Wie viele werden noch folgen? Wie intensiv werde ich mit meiner Freundin zusammenleben können? Wie, was, wo, wie lange, mit wem? Es sind viele Fragen offen.

„Jedes Jahrzehnt des Menschen hat sein eigenes Glück, seine eigenen Hoffnungen und Aussichten.“ So ein neues Jahrzehnt hat letztes Jahr für uns begonnen. Und ich bin mächtig gespannt, was es bringen wird.

 

Träume werden wahr...

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