Blut und Wasser

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Okt 18 2019

Freitag

Das Leben ist schön. Gestern hat mir jemand gesagt, ich hätte Talent. Aha. Da hab ich mal nachgeschaut, was das überhaupt ist. Da gibt es ja ganz verschiedene Tal‘s.

Tal-Ar - Tal-Kum - Tal-Bot - Tal-IBAN - Tal-Ent - Tal-Fahrt - Tal-G - Tal-Lin - Tal-Mud - nur um einige zu nennen. Wobei der Wortstamm „Tal“ ein Begriff im Computerwesen ist: Transaction Application Language, eine Programmiersprache von Tandem NonStop Systems. Also, logisch, hat mein Talent wohl etwas mit Schreiben am PC zu tun. Und nein, ich bilde mir nichts drauf ein. Ich wunder mich nur selber. Aber Vorsicht, „Tal“ ist auch eine Abkürzung bei der Raumfahrt: Transoceanic Abort Landing, ein Abbruchmodus des Space-Shuttle während des Aufstiegs, quasi eine Notlandung. Es könnte also durchaus sein, dass mir mal nix mehr zum Schreiben einfällt und ich ne Notlandung machen muss. Dann mach ich aus dem Ganzen ein Buch und verkauf es im Onlineshop...

Vielleicht denkt ja jetzt der eine oder die andere „Heut ist ihm mal wieder gar nichts Gescheites eingefallen, nur Gelaber.“

Konzentrieren wir uns also auf Dialyse und deren Umfeld und punkten mit Fakten: Vor einiger Zeit stieg mein Blutdruck um ca 10-20 Punkte. Ich hatte in meiner Lebens- und Ernährungsweise jedoch nichts verändert. Als mein Arzt mich dann überzeugen wollte, dass ich mittlerweile zu viel Wasser im Gewebe mit mir rumschleppe, obwohl ich fest der Meinung war, die Nieren schaffen noch genug, habe ich mich wohlweislich überzeugen lassen (was aber kein Zeichen von schwachem Eigenwillen und fehlender eigener Meinung ist), dass es doch besser wäre, statt 500 bzw. 700 ml nun 2000 +500 ml an Daisy abzugeben. Und weil Daisy ein kluges Mädchen ist, entscheidet sie selbst, wieviel sie mir tatsächlich abzieht, wenn man sie lässt. Bämm, siehe da und siehe dort, sie nutzt diese Freiheit aus und zieht mir seitdem fast immer 2000 ml aus dem Blut. Ergebnis 1: Der Blutdruck hat sich wieder eingependelt. Ergebnis 2: Die Erkenntnis, man sollte doch an und auf und ab und zu auf die Ärzte hören. Denn immer noch entscheidet der Patient, was wie mit ihm geschieht. Ergebnis 3: Vorher hab ich, wenn zuviel Wasser abgezogen wurde, immer Krämpfe im Bein bekommen. Diese Krämpfe sind nun verschwunden, der Körper akzeptiert die Menge. "Jo mei, des passt scho." würden die aus dem Freistaat Bayern das nun kommentieren.

Das Thema „Trockengewicht“ ist immer noch ein Buch mit fünf Siegeln. Fakt ist, dass sich im Gewebe Wasser ansammelt. Im Körpergewebe. Im anderen nur, wenn es regnet oder man bekleidet in die Dusche steigt, aber das ist für die Dialyse irrelevant. Die Konzentration des Wassers im Körpergewebe ist ähnlich hoch wie das Wasser im Blut. Osmose nennt man das. Durch zu viel Wasser im Blut wird das Herz mehr belastet. Nun tritt die Niere - oder in meinem Fall die Daisy - in Erscheinung und filtert das Wasser aus dem Blut. Nun kann wieder Wasser aus dem Gewebe ins Blut fließen, damit der Ausgleich wieder da ist. Daisy filtert das wieder aus, das Blut kann wieder Wasser aus dem Gewebe aufnehmen usw. usw. Solange, bis Daisy entscheidet, das Blut ist nun dick genug. Also werden mir heute pro Stunde ca. 350-370 ml abgezogen. Das macht in 5 1/2 Stunden 2 Liter.

Das muss der Körper erst mal verkraften. Die Niere macht diese Menge in 48 Stunden.

Ein aktueller Nachtrag: Eben Blutdruck gemessen (macht Daisy regelmäßig jede Stunde). 97/64/73. Dabei ist es völlig egal, dass ich Bohnenkaffee zum Frühstück trinke. Früher, in meinem ersten Leben, hat Kaffee immer den Blutdruck nach oben gepusht. 

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