Sep 27 2019

Freitag

 

Nadel eins: neue Stelle, flutsch rein, neuer Nerv, aua. Nadel zwei: neue Stelle, flutsch, neuer Nerv, aua, nicht rein, etwas „gerührt“, doch noch rein. Keine Bockwurst. Passiert auch versierten Superpowerflowerschwestern. Ich möchte, oder darf, hier nicht erwähnen, ob oder dass diese Schwester jung oder alt war. Nicht nur des Datenschutzes wegen. Wobei schon die bloße Erwähnung von „alt“ hier heiße Proteste ausgelöst hat. Plötzlich hatte ich alle gegen mich. Niemand,  niefraud, möchte alt sein. Obwohl es so schön sein kann, alt zu sein. Schaut doch mich an... Was ist denn „alt“? Keine Diskriminierung. Weder eine Dis, noch eine Krimi, noch eine Nierung. „Alt“ ist ein Aufblick, ein erstrebenswertes Ziel, ein Prädikat, das die Jugend nur hauchen sollte vor Ehrfurcht. „Alt“ bedeutet Lebenserfahrung, Weisheit, Ruhe, Besonnenheit, Gelassenheit, Über den Dingen stehen, Souveränität, noch immer dynamisch, (ich geh jetzt einfach mal von mir aus). Wie schön zum Beispiel ist ein Altweibersommer. Doch leider bedeutet das für die Meisten fertig, abgeschrieben, abgeschoben, abgehalftert, hilflos, seltsam, senil, zittrig, im Heim vor dem Fernseher auf den Tod warten. Schon mal die Eigenschaft „zittrig“ kann sich hier keine Schwester leisten, weder die jungen noch die „alten“.

Eigentlich wollte ich was ganz anderes schreiben. Aber wer möchte schon das Personal gegen sich haben. Die lesen das doch nachher alle...

Gestern Augenarzt. Der Beschuss war etwas sanfter, der gegen das Schienbein trat, noch kleiner. Einfach um der Gefahr einer erneuten Netzhautablösung auszuweichen. Das Ergebnis ist bis jetzt nicht so ganz berauschend wie links, es guckt sich noch etwas trüb in die Welt, aber schon schärfer als vorher. Scharf, schärfer, am schärfsten. Alt, älter, am ältesten. Forst, förster, Oberförster. Deutsche Grammatik ist unverständlich. Aber das nur nebenbei.

Rentner. Das hat auch was mit alt zu tun. Endlich alt genug, endlich Rentner. Wo möchte ich als Rentner leben? Auf diese Frage bin ich gestern gestoßen. Ich könnte doch überall. Auch in Ungarn, meiner Wahlheimat, wenn ich eine Wahl gehabt hätte. Magyarország - schon der Name ist wie Musik... Ein kleines Häuschen, mit Garten hinterm Haus und einer Bank (zum Draufsetzen) vor dem Haus, irgendwo in den Weiten der Kiskunság, Stille, Natur, Sonne, eigene Tomaten. Ein Traum. Das Schlimme daran: Es wäre möglich. Wenn die Dialyse nicht wäre. Klar kann man das sicher regeln. Man muss ja nicht hinter die sieben Berge zu den sieben Zwergen ziehen, wo jedes Jahr nur einmal eine Händlerin mit Gürteln, Friseurbedarf und Obst vorbeikommt, sondern in Dialyse-Nähe. Aber ist das dort auch so gut wie in Deutschland? Wie schon mal erwähnt, ich kenne Krankenhäuser im Osten und möchte dort nicht mal sterben, geschweige denn zu überleben versuchen. Vielleicht sollte man es sich mal anschauen...

Aber wie sagte meine Tochter früher oft?: „Nicht heute, ein andermal.“ 

Heute hab ich bzw. Daisy Probleme mit der zweiten Nadel. Vielleicht gibt es ja wenigstens das Brötchen von der Bockwurst...

 

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