Damals und heute

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Aug 19 2019

Montag

 

Wochenende ist vorbei, Daisy hat mich wieder. Und trotz 42 Stunden ohne Daisy keine Erhöhung meines Gewichtes. Bedeutet?: die Blase - und im Vorfeld natürlich die Niere(n) - machen noch gut „ihr Ding“. Das ist das Positive an diesem Wochenende. Auch die Ernährung funktioniert soweit ganz gut. Kalium 4,73 und HB 12,2. Warum bin ich dann aber wieder häufig so müde und abgespannt? Das hat wohl seinen Grund hauptsächlich in der Ernährung. Entschieden zu wenig Protein (Eiweiß) in den letzten Wochen. Ergebnis: Muskelabbau statt Fettabbau. Meine Tanita-Waage ist unbarmherzig ehrlich. Als Dialytiker muss man immer wieder jonglieren: genügend Eiweiß, das vorwiegend aus tierischen Produkten kommt, das aber wiederum hohe Phosphat- und Kaliumwerte hat, die man aber meiden sollte. Also das schlaue Buch, das ich habe - „Erlaubt ist alles“ - gewälzt und Lebensmittel gesucht, wo dieses Verhältnis entsprechend günstig ist. In zwei/vier Wochen sollte das Ergebnis vorliegen.

 

NTX - Nierentransplantation. Das Thema steht. Und gibt keine Ruhe mehr. Und will gut überlegt sein. Ohne Sorge, ohne Hektik, aber doch mit einer gewissen Unruhe bzw. Ungewissheit. Ich hab eine Liste bekommen, welche Untersuchungen im Vorfeld nötig sind. Derer sind 15. Die beim Frauenarzt bleibt mir erspart. Ich war nie schwanger. Um sieben von den Untersuchungen inklusive Arzt muss ich mich selber kümmern, den Rest organisiert die Klinik. 14 Röhrchen Blut, 15 Untersuchungen - dann wissen die ALLES über mich - und welche Niere für mich optimal wäre. Ob und wann es die gibt und ob ich die dann auch „vertrage“, das steht wo ganz anders. Wo? Den Zettel hat man noch nicht gefunden.

 

Zum Schluss noch ein kleiner Exkurs in die Vergangenheit. Eine Schwester fragte am Freitag, was Anstand ist. 

Wir damals in der DDR hatten davon jede Menge und waren das gewohnt, er hat zum Alltag einfach dazugehört. Überall standen wir an, vorm Gemüseladen, wenn es Bananen gab, beim Fleischer am Donnerstag, wenn er Lieferung bekam, vorm Werkzeugladen, überall eigentlich. Manchmal, wenn da irgendwo so ein Anstand war, hat man sich einfach mit dazugestellt. Irgendwann fragte man seinen Vordermann „Was gibts heute hier überhaupt?“ Und egal, was es war, man blieb stehen. Ich sah mal vor einem Werkzeugladen so einen Anstand. Hab dann erfahren, dass es Schlagbohrmaschinen gab. Ich hatte aber schon eine zuhause. Egal, als ich dran war, hatten sie noch welche. Das war nicht unbedingt immer so, dass die Menge der Ware genauso lang war wie der Anstand vor der Ladentür. Manche gingen eben leer aus. Was mach ich aber nun mit zwei Schlagbohrmaschinen? Doppelt schnell Dübellöcher bohren? Mitnichten. Bei uns lief das etwa so: Ich habe eine Schlagbohrmaschine, brauche aber Trabireifen, die mein Nachbar nicht braucht, sie aber bei einem früheren Anstand ergattert hat. Er braucht aber auch keine Schlagbohrmaschine. Er braucht Fliesen. Die hat sein Arbeitskollege. Trotzdem nimmt er meine Bohrmaschine und ich bekomme die Reifen. Die Bohrmaschine gibt er seinem Arbeitskollegen, der sie aber auch nicht braucht, sondern eher eine Waschmaschine und mein Nachbar bekommt dafür seine Fliesen. Dumm gelaufen? Mitnichten. Der Arbeitskollege hat einen Bekannten, der eine Waschmaschine hat und eine Bohrmaschine braucht. Bingo! Jeder ist zufrieden, jeder hat, was er braucht. Häufig war die Tauschkette noch wesentlich länger. DAS war Logistik! Dagegen sehen die Dispatcher von heute ziemlich alt aus. Aber die wissen ja auch nicht mehr, was Anstand ist. (Frag mal die vielen gestressten Fernfahrer.)

Es ging oft auch anders: Beispiel: Ein Pförtner eines VEB Tischlerei wundert sich, dass ein Arbeiter fast jeden Tag mit einem Schubkarren Sägespäne nach Hause fährt. Irgendwann hält er es nicht mehr aus und fragt den Arbeiter, was er mit den vielen Sägespänen macht. „Die schmeiß ich weg, die brauch ich nicht. Aber ich kann jedesmal einen Schubkarren verkaufen.“

 

Bis Mittwoch dann...

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