Aug 16 2019

Freitag

 

Das ist der Tag nach „Morgen. Klinik“. Deshalb gibt es heute - und wohl auch die folgenden Einträge - Einiges zu berichten. Sicher interessant für Betroffene, die am Überlegen sind, ob sie auch... mit Transplantation und so...

Es ist ein weit umfassendes Thema. Es gibt kein Ja oder Nein. Kein Gut oder Schlecht. Kein Besser oder Schlechter.

Es war interessant, es gab jede Menge Informationen, ich musste bluten, zuhören, unterschreiben, Fragen beantworten, Fragen stellen, manchmal warten, Urin abgeben. Beim Blutabnehmen, war da die Nadel süß und niedlich! Fast wie Spielzeug. Nicht zu  vergleichen mit denen der Dialyse! Und so ein dünnes Schläuchchen dran... Aber: durch diese Nadel hat mir die Schwester gnadenlos 14 (in Worten: vierzehn, das bedeutet die eins vor der vier) Röhrchen Blut abgenommen. Das hat überhaupt nicht aufgehört, der Haufen wurde immer größer. Auf meine Frage, warum das so viel sind, meinte sie, weil alles Mögliche damit untersucht und kontrolliert wird, dies und das und jenes und das auch noch. Also sollte jetzt vom Kopfhaarspleißen bis zum Fußnageleinwachsen alles zwischendrin abgecheckt sein. Ich bin ein offenes Buch. Der gläserne Mensch. (so wie im Dresdner Hygienemuseum, Abteilung Mensch). Hab ich Geheimnisse? Nein. Außer Kontonummer und PIN. Und vielleicht einige Vorlieben, von denen nur wenige Eingeweihte wissen (Eingeweihte, nicht Eingeweide). 

 

Nierentransplantation

Heutzutage fast ein Routineeingriff, relativ häufig und ungefährlich,. Aber was ist relativ? Drei Haare auf dem Kopf ist relativ wenig, drei Haare in der Suppe dagegen relativ viel.

Doch man kann nicht sagen, ob die eine oder die andere Option die bessere oder die schlechtere ist. Eins scheint sicher zu sein: ein Mensch mit einer transplantierten Niere hat höhere Überlebenschancen als ein Mensch mit Dialyse. Vorausgesetzt, die Niere wird vom Körper akzeptiert und die Nebenwirkungen halten sich in kontrollierbaren Grenzen. Dazu kommt, dass so eine Niere etwa 10 bis 15 Jahre ihre Aufgabe erfüllt. Dann ist wieder Schicht im Schacht, bzw. im Bauch. Ich hab das mal nachgerechnet: Bei einem Lebens-Wunsch-Alter von 120 hab ich noch 55 Jahre vor mir und bräuchte im Optimalfall noch vier Ersatznieren. Davon muss man die jeweilige Wartezeit von derzeit 9-10 Jahren abrechnen, wenn man auf der normalen Liste steht. Und ob man mich mit 105 nochmal auf die Liste setzt, ist fraglich...

Es gibt dann noch die Ü65-Liste. Das ist so: Bei der normalen Liste, wartest du auf eine passende Niere von irgendjemand, der auch jünger sein kann, als du selbst. Das hat den Vorteil, dass du davon ausgehen kannst, dass diese Niere noch lange hält. Auf der Ü65-Liste bekommst du eine Niere von ebenfalls jemanden, der Ü65 ist. Da ist die Wartezeit statt 9-10 nur 2-3 Jahre, hat aber den Nachteil, dass diese Niere schon älter ist und entsprechend eher den Geist aufgeben kann. Kann. Es gibt Fälle, wo eine junge Niere unterdurchschnittlich und eine alte Niere überdurchschnittlich lange funktioniert hat. Da „steckst du nie drin“. Weder der Spender, noch die Ärzte, noch du, noch irgendwer. Es ist letztlich ein Pokerspiel. Dann gibt es noch die dritte Option. Wenn alle Optionen und Voraussetzungen an eine Ersatzniere übereinstimmen, du also eine bekommen könntest, die genau die gleichen Parameter hat wie deine eigenen, dann kannst du die bekommen. Außerhalb aller Wartelisten und Reihenfolgen. Das hat den Vorteil, dass davon ausgegangen werden kann, dass dein Körper die optimal akzeptiert und damit arbeitet. Je mehr Parameter also übereinstimmen, um so erfolgreicher kann die OP sein. Kann. Trotzdem wird es dieses Pokerspiel bleiben. 

Neben den Listen gibt es auch noch eine andere Option: Die Lebend-Spende. Bisher haben wir nur über Nieren von Toten gesprochen. Ich weiß, das klingt für manche ziemlich makaber, ist aber so. 

Bei einer Lebend-Spende schenkt dir ein naher Verwandter oder ein guter Freund oder jemand anders, der dir freundlich gesinnt ist und dir wünscht, dass du wieder ein annähernd normales Leben führen kannst, eine von seinen beiden gesunden Nieren. Auch hier vorausgesetzt, alle Parameter stimmen überein. Das geht übrigens nur zum Beispiel bei Niere und Lunge, beim Herzen wird das schon schwieriger mit der Lebend-Spende...

Will ich das? Von jemand, den ich kenne und vielleicht noch mag, eine Niere zu bekommen? Was ist, wenn diese Person später Probleme hat mit seiner einen Niere? Dann hab ich seine andere... Das will gut überlegt sein, sehr gut.

An dieser Stelle möchte ich meine Kinder erwähnen. Als das Thema Dialyse und Transplantation bei mir aktuell wurde, sagten drei von ihnen, unabhängig voneinander, ganz spontan und fast wörtlich am Telefon: „Dad, dann bekommst du eben von mir eine.“ Kann man sich bessere Kinder wünschen....? Gut, dass diese Art nicht praktiziert wird, dass die Kinder Spender sind für die Eltern - und für mich diese Entscheidung gar nicht ansteht. Nein, ich würde es nicht annehmen können. Ich möchte, dass sie ihre Nieren behalten und ein langes, gesundes Leben damit führen können.

Und so viele gute Freunde oder Bekannte hab ich auch nicht. Also bleiben mir nur die Listen. 

 

Oder weiterhin die Dialyse.

 

PS: Ich grüße meine neue Leserin, die gestern bei dem Gespräch als Auszubildende dabei war...

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