Juli 12 2019

Freitag

 

Der Tag war lang, die Nacht war kurz. Und ich habe heute die PC-Brille zuhause liegen. Ich weiß zwar genau, wo, aber das nützt mir hier wenig. Wissen ist Macht. Nichts wissen macht nichts. Aber jemand, der nichts weiß, weiß immer noch mehr, als jemand, der gar nichts weiß.

Ich weiß durchaus einiges, außer, wo die Brille liegt. Zum Beispiel - und darüber freut sich das gesamte Team und wir Patienten - dass unsere Mitpatientin am Wochenende eine neue Niere bekommen hat. Ausgerechnet im Urlaub, ausgerechnet im Ausland. Info von der Klinik hier, Zack, sofort zum Flughafen, Zack, zurück, Zack, in die Klinik, Zack, zur OP. Hier entscheiden Stunden. Aber für eine neue Niere verzichtet man auf den schönsten Urlaub.

Das hat sogar Auswirkungen bis zu mir. Diese Patientin wurde immer vor mir zur Klinik gebracht, danach kam ich dran. Jetzt kann das Taxi eher bei mir sein. Also kann ich eher in der Klinik sein. Und kann eher an Daisy. Aber nicht, um sie eher wieder zu verlassen, sondern um länger mit ihr zusammen zu sein. Ist eben wie im richtigen Leben: Wer möchte denn eher von seiner Freundin getrennt werden, wie es unbedingt nötig ist? Mein Mädchen, mein Mäuschen... (ich muss aufhören, sonst bekomm ich Schwierigkeiten von offizieller Stelle ...) 

Zurück zur Realität: Die Zeit von momentan 5 statt vorher 4,25 Stunden bekommt mir wesentlich besser. Wie mir meine Mitpatientin es prophezeit hatte. Und nun kann ich die Zeit bei Daisy verlängern. Heute erst mal auf 5,25 Stunden, weil Nachmittag/Abend noch die Freizeit läuft, bei der ich heute noch bin. Ab Montag dann bin ich 5,5 Stunden hier. Später vielleicht noch länger. Kommt darauf an, wie es mir bekommt und wie das Team mich eintakten kann.

Irgendwie gehöre ich zu den äusserst seltenen Ausnahmen der Patienten, die freiwillig länger hier bleiben wollen. Jeder will nur schnell fertig und hier wieder weg. Naja, ich war schon immer jemand, der auf dem Nebengleis fuhr und über den andere den Kopf geschüttelt haben. Mein Sohn würde bei solchen Sachen meinen: „Na und! Mir doch egal!“ Diese Einstellung hat er von mir abgeguckt...

Themawechsel. Trockengewicht und Ernährungsgewohnheiten.

Ich hatte berichtet, dass ich seit der Kirschenzeit kaum etwas zu Abend gegessen habe, außer ein wenig Obst oder nur ne kleine Kleinigkeit. Ergebnis: 84,0 kg Nettogewicht. Zur Freizeit gibt es drei üppige Mahlzeiten, dazwischen reichlich Obst und rohes Gemüse. Da schlägt auch der schwächste Dialysepatient zu. Ergebnis: 87,6 kg Nettogewicht. Was man alles so unverdaut in sich rumschleppt, wenn man nicht aufhört, wenn man satt ist... Nächste Woche wird wieder alles anders.

Zur Freizeit gibt es nicht nur rohes Gemüse, sondern auch junges Gemüse. Das darf man nicht verwechseln. Das rohe ist gesund, das junge raubt die Nerven. 

Heute für mich zum letzten Mal.

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